Dieser Moment: Wenn ich esse, esse ich…

Das ist ein erster Post in der Reihe „Dieser Moment“, in der ich wesentliche Momente in der Zeit mit dem Baby und Kleinkind einfangen will. Die so wertvoll sind, so wichtig und ja – oft so einfach. Zu einfach ?

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Unter sämtlichen anderen Themen wird vor allem auch die Wahl zwischen Brust oder Flasche besonders heftig diskutiert. Da werden Frauen verachtet, die sich von vornherein dagegen entscheiden ihr Kind zu stillen, es gibt skeptische Blicke gegenüber denen, die recht bald „aufgeben“. Nur selten wird hinterfragt warum und selbst wenn – man bleibt misstrauisch. Was ich dabei schade finde, was sehr sehr häufig in dieser Debatte vergessen wird: Essen ist auch Zuneigung. Nähe. Kontakt. Und all das ist sowohl als auch möglich. Mit Brust und mit Flasche.

Für viel wichtiger halte ich es nämlich, dass sich Eltern bewusst werden, wie wichtig dieser Moment an sich ist. Diese Zweisamkeit, Vertrautheit, Nähe. Der Kontakt während ein Grundbedürfnis Nummer 1 gestillt wird – Essen. Dabei hat eine Mutter, die aus welchem Grund auch immer nicht stillen kann / will genau die gleiche Chance mit ihrem Baby in Kontakt zu treten, wie eine, deren Milch ausreichend fließt (oder wie ein Vater, eine Oma, eine Betreuungsperson…). Wenn sie nur einfach DA ist. Ihr Kind hält und den Rest der Welt einfach einmal ausblendet. Kein Handy, kein Fernsehen, kein Internet.

Viele Mütter nutzen vor allem die Zeit des Stillens für all diese Tätigkeiten. Und ich finde das oft schade. Denn hier kann man wirklich auf ganz einfache Art und Weise mit dem Baby in Beziehung treten, ihnen vermitteln: Ich sehe Dich. Ich bin bei Dir. Du bist mir wichtig. Die meisten Babies schauen mit ihren großen Augen zu uns auf, wenn wir sie stillen oder mit der Flasche füttern. Wie fühlt es sich wohl an, wenn wir dabei aber komplett abgelenkt in einer anderen Welt surfen. Das Flackern des Fernsehers sich in unseren Augen spiegelt oder wir mit jemandem in ein Gespräch vertieft sind, teilweise nicht einmal mitbekommen, dass sich unser Baby aus Versehen abgedockt hat oder die Flasche daneben rinnt.

Immer wieder jammern wir, dass die Zeit so schnell vergeht. Die Babies so schnell groß werden und man zu schnell vergisst. Aber im Gegenzug schaffen wir es ja nicht einmal, im eigentlichen Moment da zu sein und zu genießen. Schaffen es nicht, mal den Rest der Welt auszublenden und blenden stattdessen unser Kind aus. Sind Tanktstelle oder Bar. Mehr nicht.

Natürlich ist mir bewusst, dass es Babies gibt, die sehr lange oder häufig stillen und somit ein Großteil des Tages damit verbracht wird, irgendwo zu sitzen und zu warten, dass es satt wird. Dass einem da mal fad wird oder man sich unsozial und gefangen fühlt, verstehe ich. Genauso gibt es die Mehrfachmütter, die nicht den ganzen Tag allein mit ihrem Baby daheim sitzen und sich um niemanden anderen kümmern müssen. Einen Dreijährigen kann man nicht einfach „ausblenden“, während man das Baby stillt. Aber darum geht es auch gar nicht. Wenn ich nachmittags Frau Klein stille während Herr Klein mal leiser mal lauter spielt oder umher wirbelt, dann kann ich nicht nur bei ihr sein. Dann kann ich ihr aber zumindest sagen: „Das ist Dein Bruder. Der macht jetzt dies und das.“ Und schon bin ich wieder mit Frau Klein in Kontakt und sie weiß zum einen, warum ich etwas abwesender bin als vormittags und zum anderen, was der Hintergrundlärm ist.

Wenn unsere Kinder älter werden, wünschen wir uns, dass sie mit uns am Tisch sitzen. Dass sie essen, bis sie satt sind und mit Freuden mit uns die Zeit am Familientisch verbringen. Dass sie dabei später nicht in ihre Handys starren oder auf den flackernden Fernsehschirm. Warum also malen wir ihnen in ihren ersten Lebensmonaten ein Bild von etwas, was wir uns selbst so nicht wünschen?

 

weitere links zum Thema:
Janet Lansbury „Beyond Bottles and Breasts“
Mamas in the Makind: „The fuss about feeding“

 

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Comments

  1. Oh Mensch.genau so ist es.ich habe meist nur das stillen als kurze Pause und sehr oft wurde ich dann nutzlos durch die Gegend.ich weiss nachher auch nicht mehr und bin auch noch genervt,weil ich es tue.jetzt weiss ich auch,was mich so daran nervt.und ja,ich möchte beim größeren Kind auch gern,dass es mit am Tisch sitzt statt vor dem PC zu essen.danke für den Schubs,das Handy wegzulassen.

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