Die Antwort steckt in Dir

Unlängst war ich bei einem Vortrag von Mag. Daniela Pichler-Bogner zum Thema “Einfühlsamer Umgang mit Wut und Aggression”. Dazu werde ich noch ausführlicher berichten. Was mich an diesem Vortrag in meiner Rolle als angehende Familienbegleiterin besonders beeindruckt hat, war die letzte Stunde – die offen war für Fragen aus dem Publikum. Wie man sich bei der Thematik vorstellen kann, gab es davon einige.

Ich kenne Daniela aus meiner Pikler-Ausbildung, die sie leitet. Bereits dort habe ich ihre Art mit Fragestellungen umzugehen schon erfahren und schätzen gelernt. Bei ihr gibt es fast ausschließlich nie eine direkte Antwort. Was folgt sind Gegenfragen oder Bitten um nähere Erläuterungen und Beispiele. Dabei verstrickt sie nicht nur den/die Fragende/n in ein Gespäch, sondern begleitet ihn auf einem Weg sich selbst ihre/seine Frage zu beantworten. Dies macht sie so eindrucksvoll vorsichtig und wertfrei, lässt Raum für Gefühle und Zeit, bis alle Fragezeichen weggeschmolzen sind. Zumindest soweit, dass man mit dem Rest allein weiterarbeiten kann. Oder weiterdenken.

Beispiele:
Eine Mutter fragt, was sie tun kann, da ihre Tochter immer wieder nach dem Zähneputzen plötzlich Hunger hat (was sie – die Mutter – sichtlich nervt).
Daniela: “Geht es Ihnen nie so?”

Ein wenig die eigenen Hintergründe, die eigenen Gedanken herauskitzeln. Hinterfragen, was die eigentliche, wirkliche Frage ist. Nämlich “Ist das ok?” “Darf ich das zulassen?”

Eine Mutter erklärte, dass ihre Tochter immer wieder allein über die Straße gehen will, sie das aber nicht zulassen will. Ergebnis: Kind tobt. Was tun?
Daniela: “Was haben Sie denn bisher getan?”
Mutter: “Es ihr erklärt, dass ich das für gefährlich halte.”
Daniela: “Und, wie hat sie reagiert?”

Ich möchte gar nicht weiter auf die Ergebnisse dieser Fragen eingehen, sondern einfach nur auf den Verlauf. Wie er einen Weg lenkt, der selbständig zur Antwort führt. Wieviel besser fühlen wir uns, wenn wir (durch Hilfe) unsere Fragen selbst beantworten können, als wenn uns jemand eine vorgefertigte Antwort präsentiert? Womöglich noch eine, die unsere Frage nicht gänzlich beantwortet oder die sich schlussendlich als “falsch” herausstellt? Das ist wohl auch noch ein großer Brocken, den ich für mich persönlich zu überwinden habe – meine vermeintlichen Ratschläge und Tips nicht immer gleich an den Mann/die Frau zu bringen, sondern erst einmal zu schauen, was das eigentliche Problem ist. Die eigentliche Frage. Die wiederum kennen wir oft selbst nicht. Wir haben ein Problem, stoßen irgendwo an und reden davon. Was aber ist die Frage, die dahintersteht? Wenn wir uns derer bewusst sind, sind wir oft schon einen großen Schritt weiter.
Brigitte Moser, bei der ich im Spielraum und Gesprächsabend bin, sagt am Anfang jedes Gesprächskreises immer: “Jede Frage, die in Euch auftaucht, taucht deshalb auf, weil die Antwort schon in Euch steckt.”

Was für mich an diesem Abend schlussendlich besonders eindrucksvoll gezeigt wurde, war, dass eben keine dieser Fragen einfach so beantwortet werden konnte. Dass es individuelle Situationen und Probleme waren, die einzeln beleuchtet werden mussten und für die es nur ganz spezifische Wege gab. Und so ist es doch im Zusammenhang mit Kindern und Familie. Egal wie viele Meinungen und Ratschläge wir uns einholen, wirklich helfen wird am Ende der, den wir uns aus all diesen selbst zusammengeschweißt haben.

Abgesehen davon hat dieser Abend wieder gezeigt, dass man diese Art von Gesprächsführung nicht aus dem Textbuch lernen kann. Man muss hinaus in die Praxis. Und deshalb darf ich keine unnötige Zeit verlieren. Und muss dranbleiben, an meinem Leben 2.0.

Flattr this!

Zum Frauentag: Mehr Männer bitte !

Heute ist also Frauentag. In meiner Erinnerung sind das Primeln für Mama, die wir im Schulgartenunterricht selbst umgetopft haben. Ansonsten gebe ich diesem Tag ebensoviel Bedeutung wie dem Valentinstag, Muttertag oder Vatertag. Schlichtweg keine.

Wenn man im Social Media Dschungel unterwegs ist, kommt man jedoch nicht an Tweets, Blogs und Veranstaltungsmeldungen zum Thema FRAU vorbei. Und weil es nun schon so viel gibt davon, schlage ich mal wieder in die andere Kerbe und schreibe über Männer. Männer, die in der Welt der Familienbetreuung und -beratung und der Kinderbetreuung fehlen. Meine ich.

Früher hat mich die nichtvorhandene gender-Schreibweise nicht gestört. Heute fällt sie mir immer mehr auf und ich lese vor allem in meinen Skripten von der Familienbegleiterin, der Kindergärtnerin, der Assistentin. Und ich denke mir: nun gut, wahrscheinlich ist es wohl so, dass sowieso ausschließlich Frauen diese Ausbildungen machen. Leider. Und warum?

Im Pikler-Grundkurs sitzt neben 11 Frauen ein Mann, Im Montessorikurs sind es 3 Männer neben ca 30 Frauen. Im Familienbegleiterin – Kurs weiß ich es nicht, da es ein Fernkurs ist.

Das ist schade. Denn ich bin mir sicher, dass unsere Kinder von männlichen Pädagogen in Krippe und Kindergarten profitieren könnten. Sie strahlen anders aus, reden oft anders, spielen anders. sie sind ganz anders sensibilisiert, einfach anders gepolt. Im Umgang mit so vielen verschiedenen Individuen halte ich das für sehr wertvoll.

Aber vor allem auch in der Elternarbeit – egal ob vor oder nach der Geburt – sehe ich ein hohes Potential in Männern. Sie beleuchten Dinge oft von einer ganz anderen Seite, haben andere emotionale Erfahrungen. Für (werdende) Väter kann das unglaublich hilfreich sein. Aber auch für die werdende Mutter – zu lernen, Vertrauen in das väterliche Potential ihres Partners zu haben.
Immer mehr Männer befassen sich aktiv mit dem Thema Schwangerschaft und Geburt. Sie sind live dabei und wollen sogar in Karenz. Sie lesen Bücher und beschäftigen sich mit der Erziehung.  Warum werden sie dabei (gemeinsam mit Frau und Kind) fast ausschließlich von Männern beraten und begleitet. Gerade als Gegenstück zur Hebamme, die sich ja nunmal auch aus biologischen Gründen eher mit der Frau befasst, wäre eine männliche Begleitung doch mehr als sinnvoll. Meine ich.

Ein Freund und zukünftiger Nachbar – Heinz Feldmann – ist einer der wenigen Männer auf weiter Flur. Er ist Männercoach und Väterexperte, berät Männer und Väter und leitet Männertreffs und Väterseminare.

Auf dass es mehr Männer werden, in dieser (noch) so Frauen dominierten Branche. Alles Gute zum Frauentag!

Flattr this!

Damals und Heute

Vor kurzem hat Eltern.de einen kurzen Artikel online gestellt, in dem sie fachlich argumentiert haben, warum man ein Kind in den ersten Monaten nicht verwöhnen kann. Daraufhin gab es große Erleichterung bei vielen Familien. Hurra, ich darf mein Kind nach Bedarf stillen und Tragen und auf jedesWeinen sofort reagieren und mache damit genau alles richtig. Egal was die lieben Großeltern, Verwandten und Tanten der vorigen Generationen sagen.

Damit hat Eltern.de zwar wichtige und richtige Fakten auf den Tisch gelegt. Aber sie haben auch das Feuer zwischen den Generationen neu geschürt. Das ist kein Vorwurf. Das ist eine Feststellung. Denn was nun passiert, ist, dass viele Mütter weiter so handeln, wie es ihr Herz bestimmt. Das ist gut. Aber sobald nun wieder eine Frage, eine Meinung oder ein skeptischer Blick aus der vorigen Generation kommt, werden sie kontern. Und die Kluft weiten.

Genau da möchte ich schlichten. Die vorige Generation hat getan, was sie für richtig hielt. Zu ihrer Zeit, ihrem Wissenstand, ihrem Empfinden nach. Sie waren es gewohnt, dass deren Eltern und Großeltern ihnen Tips und Ratschläge geben, wie man mit Babies und Kindern umzugehen hat. Und haben sich darauf verlassen. Ohne Bücher, Mütterberatungen oder Internet. Und nun wollen sie dieses Wissen endlich ebenso weitergeben. Und tun das oft auf die Art und Weise, wie sie es selbst erlebt haben. Forsch und Streng. Das ist natürlich nicht immer gut und richtig, vor allem bei frischen Müttern, deren Hormone noch Achterbahn fahren. Wie reagiert man nun als Mutter angemessen auf Kommentare wie „Du wirst Dein Kind noch in die Schule tragen.“ oder „Ein Bub braucht eine kräftige Stimme.“ ?
Meine Meinung ist: am besten erst einmal gar nicht. Denn Antworten aus dem Affekt heraus sind oft unüberlegt und können verletzen. Alternativ kann man mit Ich-Sätzen klar vermitteln „Ich glaube aber, dass ihr/ihm das gut tun wird.“ Dann ist das nicht gleich eine „Ihr habt damals alles falsch gemacht“-Watschn. Denn das ist es oft, was wir vermitteln, wenn wir uns sofort verteidigen.

Es gibt natürlich Großeltern, die nach wie vor den Kopf schütteln, und nicht verstehen können, wie man ein Kind so „verhätscheln“ kann. Ich denke, diesen kann man dann einfach mal klar sagen „Ich weiß, Ihr könnt das nicht verstehen, aber ich habe meine Gründe dafür.“ Die Diskussion einfach im Keim ersticken. Denn diese Großeltern sind auch selten an Fakten und neuen Erkenntnissen interessiert. Dann gibt es die, die sich sogar beginnen dafür zu interessieren, warum heute etwas anders empfohlen und gemacht wird, als früher. Das sind die glücklichen Fälle.

Ich habe so ziemlich beides erlebt. Meine Eltern haben sicher vieles anders gemacht damals. Aber da meine Eltern geschieden sind, habe ich von zwei Seiten auch zwei verschiedene Meinungen gehört, wie ich selbst auf diese Welt begleitet wurde. Es verliert sich also vieles auch in der Zeit. Und wer weiß, vielleicht versteckt sich hinter so Sätzen wie „Das Kind muss doch was Gescheites essen!“ auch schnell die eigene Unsicherheit und Befürchtung, etwas „falsch“ gemacht zu haben. Daher plädiere ich für mehr Nachsicht und Respekt. Von beiden Seiten. Denn was ich hier nicht möchte, ist ausschließlich die ältere Generation in Schutz nehmen. Ich habe nur oft das Gefühl, dass sie sehr schnell verteufelt wird. Aus Gründen, ja, aber nicht immer fair.
Und das werde ich auch in meine Arbeit einfließen lassen. Sowohl die Sensibilisierung bei den frischen Eltern als auch bei den Großeltern. Weil ich glaube, so einige Probleme und Ärgernisse, die es einfach nicht braucht, im Vorfeld ausräumen zu können.

Was habt Ihr für Sprüche gehört von Verwandten und Bekannten, die Euch verärgert oder gar verletzt haben ? Wie habt Ihr reagiert ?

Flattr this!

Latest from Instagram

Copyright © 2019 · Theme by 17th Avenue