SaD 03/13 – Von Lichtern, Schatten & Kaffee am Morgen

Bild 6Wie das so ist mit einem Baby im Haus – auch wenn es das zweite ist – man fragt sich (wieder) wann sich eigentlich was entwickelt. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ein Baby wie weit und wie viel sehen und erkennen kann. Also befragte ich Dr. Google. Was ich dabei entdeckte, war mal wieder zum verzweifeln.

 

 

 

Auf babycenter.de gibt es also zig Seiten zur Entwicklung des Babys jeglichen Alters. Und dazu ein paar gutgemeinte Hinweise, wie man eben jenes Baby unterhalten kann. Allein das stellt mir schon sämtliche Haare auf. Aber das hier war die Krönung:

Auch wenn Ihr winziges Baby noch keine Dinge greifen kann (das kommt ein paar Monate später) könnte ihm ein Activity-Center dennoch Spaß bereiten. Das hat viele lustige Gegenstände zum Ansehen, Berühren und Zuhören.

Ich sage: Dreht den Spieß doch einmal um! Macht Euer Kind zu EUREM Activity Center!

Deshalb widme ich diesen Spaß am Dienstag heute allen Lampen und Lichtern, Fenstern und Gegenständen, die unser Baby fesseln und faszinieren. Allen Schatten an der Wand, unseren Gesichtern und sanften Stimmen. Dem lauten Rauschen des Wasserkochers, dem Geruch von Toast am Morgen. Dem Kaffeeduft oder dem lauten Kreischen der Geschwister. All diese Dinge (und noch so viele mehr) sind der Alltag für ein so kleines Baby. Gönnen wir ihm ein paar Minuten Ruhe und Erholung, wenn es möglich ist und überreizen wir es nicht mit quietschbuntlauten ungreifbaren Wackelfiguren, die wir brachial über sein kleines Gesicht platzieren!

IMG_3344Also. Folgt den Blicken Eures Babies. Was könnt Ihr alles entdecken?

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Jeder Tag wirft einen neuen Schatten an die Wand. Wie sieht er aus? Lauscht! Welche Geräusche begleiten Euch täglich, ohne dass Ihr es noch bemerkt? Welche Gerüche liegen in der Luft – innen wie außen? Schlussendlich – greift alles an! Erlebt mit den Sinnen! Nehmt jeden Gegenstand in die Hand. Fühlt ihn. Riecht ihn. Schmeckt ihn!

Bewegt Arme und Füße, als hättet Ihr 100 Jahre geschlafen!

Kurz – Erlebt die Welt durch die Sinne Eures Kindes neu !

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd am werdet Ihr bemerken, dass das letzte, was Euer Baby braucht, ein Activity Center ist. Und stattdessen jede Ruhepause wohlverdient ist!

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Alles auf Anfang

IMG_3308Frau Klein ist zarte zwei Wochen alt. Zwei Wochen lang steht unser Leben nun wieder völlig auf Anfang. Ist linksherum und auf dem Kopf. Und doch irgendwie vertraut. 

Wie auch beim ersten Kind spazierten wir wenige Stunden nach der Geburt mit dem kleinen Bündel Leben im Arm aus dem Krankenhaus. Verweigerten die Mehrbettzimmer und sterile Atmosphären. Wir wollten so schnell wie möglich zusammenwachsen und uns nicht erst an fremde Abläufe gewöhnen. Und das war gut so.

 

Erstaunlicherweise ist mit einem zweiten Kind alles so viel einfacher. Das haben mir zwar viele im Vorfeld schon gesagt, aber so richtig glauben will man es ja nicht bis man es erlebt. Zumindest wagt man nicht, allzu viel Hoffnung zu schöpfen. Aber als ich Frau Klein dann das erste Mal auf den Wickeltisch legte, ihr jeden Schritt erklärte und sie mit sicheren Händen sanft aber routiniert von einer in die andere Windel steckte, war ich selbst überrascht. Bei Herrn Klein taten wir uns anfangs schwer mit ihm zu reden. Natürlich kommt noch keine wirkliche Reaktion und ja, die ersten Male Wickeln sind einfach von Schreien begleitet. Weil es kalt ist, ungewohnt und sicher einfach unangenehm. Gerade deshalb schien es uns notwendig mit Frau Klein zu reden. Ihr zu sagen, was mit ihr passierte. Ihr zu versichern, dass wir da waren und sie nicht allein. Dass  das einfach nur notwendig sei, wenn auch nicht angenehm. Es machte uns Freude so intensiv bei ihr zu sein, alles rundherum ausblenden zu können. Es fühlte sich gut an, durch ihr Schreien nicht nervös zu werden, es nicht auf Biegen und Brechen verhindern zu wollen, sondern es anzunehmen und darauf einzugehen. Es dauerte nur zwei Tage. Mittlerweile schaut sie sich bereits neugierig um am Wickeltisch.

Das Stillen ist auch in kurzer Zeit Teil des Alltags geworden. Natürlich kann noch von keinem Rhythmus die Rede sein, aber der Milcheinschuss, das Einspielen der Milchmenge, das Anlegen etc. sind alles Abläufe, die wir auf dem Weg einfach so aufgenommen haben, wie sie kamen.

Klingt also alles ganz wunderbar. Und so viel einfacher und entspannter.

Nun. So ist es nicht. Denn es gibt ja noch Herrn Klein. Der neugierig seine Schwester betrachtet. Der beim Wickeln oder Stillen zuschaut. Der sie halten, streicheln und küssen will. Der aber auch auf seine Mama verzichten muss, wenn er sie grad gern nur für sich hätte. Dessen Leben Kopf steht und der sich fragt, wo sein Platz in diesem neuen Gefüge ist und ihn teilweise körperlich einfordert. Der immer wieder sicherstellt, dass niemand von uns ins Krankenhaus zurück muss. Der nachts den Papa in Beschlag nimmt, während die Mama mit der Schwester beschäftigt ist.

So waren die ersten zwei Wochen zu viert ein interessiertes Beobachten. Wer reagiert wann und wie? Wer braucht was? Und was ist jeder fähig zu geben? All das ist KEIN Spaziergang. Es ist ein Wandern zwischen Gefühlen. Ein Weg zwischen Wollen und Können. Momente der Zerrissenheit. Wut, Angst und Traurigkeit im Schatten von Übermüdung und Erschöpfung. Freude und Lachen Arm in Arm mit den Hormonen.

Und so steht alles auf Anfang. Routine vs. Neuland. Das einzige, worauf wir uns verlassen können, ist, dass wir uns auf nichts verlassen können. Jeder Tag ist anders. Und wir alle im Wachstum.

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SaD 02/13 – Ein Ball. Zwei Ball. 144 Bälle

IMG_3158Kinder mögen Mengen.Drei Kastanien. Eine kleine Box Duplo oder ein „Starterset“ diverser Holzbausteine befriedigt sie oft nicht. Wer Kinder im Bällebad, in großen Sandkisten oder im Laubwald erlebt hat, weiß, wovon ich rede. Sie erfassen die Dinge ganz. Mit allen Sinnen.
Sie schaufeln, schütten, sammeln. Sie räumen aus und wieder ein. Verteilen alles um sich herum und fühlen sich darin auch noch wohl. Für uns Eltern ist das oft diese Vorstellung von Unordnung und Unruhe.

Ich habe heute eine Anregung im Hut, die für noch mehr Unordnung sorgen wird. Noch mehr Chaos im Wohnzimmer. Aber gleichzeitig noch mehr sensorische Stimulation:

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Eine Schüssel Tischtennisbälle. (144, um genau zu sein)

Warum? Nun. Tischtennisbälle haben zum einen eine sichere Größe. Anders als Murmeln, Kastanien, Steine oder weiße Bohnen gelten sie als das kleinste Maß, was man an Spielzeug unter 3 Jahren anbieten kann. Dennoch kann man mit ihnen genau die Freuden, die die oben genannten Materialen mit sich bringen, erleben.

Man kann sie:

  • ausleeren
  • sich über den Kopf kippenIMG_3167
  • schaufeln und schütten
  • werfen
    oder (wie im Hause Buntraum fröhlichst entdeckt)
  • so weit wie möglich durch den Raum spucken.

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Dabei klingen sie sonderbar. Probiert es aus. Nehmt eine Schüssel voll und leert sie auf den Boden. Und wenn man sich erst einmal mit dem Chaos, dass sie scheinbar verursachen, angefreundet hat, wird man eben jene wahre Freude daran entdecken.

Noch sehr kleine Kinder können sie auch sehr gut ergreifen.

 

Mit Tischtennisbällen kann wirklich nichts passieren, und dennoch können Kinder auf so vielen Ebenen damit spielen und experimentieren. Und wenn mal einer kaputt geht, so wirft man ihn ins kochende Wasser und er poppt wieder.

Niemand ruft:IMG_3169

„Der Sand bleibt im Sandkasten!“ (Das Wasser in der Badewanne, das Essen auf dem Tisch…)
„Nein, wirf das nicht!“
„Pass auf, das geht kaputt!“
„Nimm das nicht in den Mund!“ oder ganz und gar:
„Sei vorsichtig!“

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Darüber hinaus habe ich persönlich das Einsammeln der Bälle als sehr meditativ empfunden. Und als kleine Vorübung für die Geduld und Ruhe bei ausgeleerten Duplo/Lego Kisten.

Da sie eine einheitliche Farbe haben, erscheint das Chaos auch gar nicht so wirr. Und es gibt und gab Momente, an denen ich selbst den Drang verspürte, die ganze Schüssel auszuleeren.

Viel Spaß !

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