Marmeladenbrot zum Abendessen

IMG_4349Kürzlich waren wir mit den Kids im Prater. Wer den Wiener Prater nicht kennt: auf der einen Seite ist er Park mit Spielplätzen und Liegewiesen. Auf der anderen Seite lauter, wilder Vergnügungspark. Herr Klein befindet sich nun in einem Alter, in dem er genau weiß, was sich Wundersames hinter dem Grün der Bäume und Wiesen befindet. Für uns als Eltern also Zeit um über die Handhabe eines dauerhaften Vergnügungsparks nachzudenken. 

Wir waren uns einig, dass wir nur in den grünen Park wollten, nicht hinüber ins laute Getümmel. Als Herr Klein dann sagte: „Auto fahn gen?“ sagten wir wie aus einem Munde: „Nein. Heute nicht.“ Und das Thema war für ihn abgehakt. Uns muss die Konsequenz dieser Aussage aus den Ohren geschienen haben. Weil es uns wichtig war.

Natürlich ist es nicht immer so leicht. Kinder testen unser Nein. Sie reizen unsere Grenzen wie einen Luftballon bis kurz vorm Platzen. Und ja, manchmal knallts auch einfach.

Die Frage, die wir uns als Eltern wohl immer wieder stellen ist: Wie konsequent muss ich sein? Was darf ich „durchgehen“ lassen?

Wie es scheint, gibt es auch hier wieder keine Formel. Kein schwarz. Kein weiß. Denn nicht nur Kinder sind verschieden – Eltern sind es auch.

Also gilt es erst einmal zu fragen: Was ist mir wichtig? Wo kann ich ein inkonsequentes Verhalten  nur schwer akzeptieren? Wo laufe ich Gefahr auszuflippen und unrund zu werden, wenn etwas nicht so läuft, wie ich es für mich brauche? Das ist bei Eltern ganz verschieden. Den einen ist es wichtig, dass das Kind nicht mit Essen durch die Gegend läuft. Andere brauchen eine gewisse Ordnung. Manchen sind gewisse Anstandsregeln enorm wichtig.

Wenn man jedoch gewisse Dinge einfordert und konsequent erzwingt, „damit das Kind es lernt / begreift“ wird man oft unauthentisch. Dann sind wir nämlich von der Gesellschaft oder inneren eingefahrenen Mustern / Vorstellungen getrieben. Oder von dem, was wir glauben, was die Gesellschaft von uns erwartet. Wir kennen das ja sicher alle: Unser Kind kreischt laut, tobt oder tut etwas, was sich „nicht gehört“ in der Öffentlichkeit. Wir überlegen dann oft, ob und wie wir eingreifen sollen, damit die Menschen um uns herum nicht glauben, wir hätten unser Kind nicht „unter Kontrolle“. Dabei vergessen wir gern, dass unter all den Menschen da um uns herum sich a) nur wenige für uns und unser Problem interessieren und es b) auch Menschen gibt, die mit uns sympathisieren. Die selbst Kinder haben oder hatten, mitfühlen und zustimmend lächeln. Und der Rest – ja der sollte in Anbetracht der Tatsache, dass unser Kind uns hier gerade sehr deutlich etwas mitzuteilen versucht, in den dunklen Hintergrund rücken.

Es geht also mal wieder überhaupt nicht darum, was richtig und was falsch ist, sondern darum, was UNS wichtig ist. Was wir wollen und brauchen.

Das klingt jetzt sehr danach, dass wir Großen mal wieder das Zepter in der Hand haben. Dass wir die Macht haben. Im Gegenteil. Wenn wir bereit sind, die Wünsche und das Verhalten unserer Kinder als Anlass zu nehmen uns selbst zu hinterfragen um herauszufinden, was uns wirklich wichtig ist, so werden wir hin und wieder erstaunt feststellen, wie leicht das Leben sein kann, wenn man einfach mal sagt: „Weiß Du, ich dachte immer das wäre ganz wichtig. Dabei ist es mir so egal.“ Und dann darf unser Kind zum Abendessen plötzlich Marmeladenbrote essen und ist glücklich (und obendrein noch satt). Oder es darf – so wie Herr Klein – auf der Straße so laut kreischen wie er will. Weil er es im Haus nicht darf, da halte ich es nicht aus. Aber irgendwo muss er es ja mal rauslassen.

Wie wunderbar. Ich lade Euch ein in den nächsten Tagen bei sämtlichen Situationen, in denen Ihr „maßregelt“ und konsequent erzieht zu hinterfragen – ist es Euch wichtig, oder ist es dem „inneren Euch“, das so erzogen wurde, wichtig? Glaubt Ihr, dass es Eurem Zusammenleben schadet, wenn die Situation heute einmal anders läuft? Dabei lernen wir uns selbst wieder ein Stück besser kennen.
Gleichzeitig werdet Ihr sehen, wie viel „Nein!“ und „Ich will das nicht!“ immer noch übrig bleibt… Genug, um unsere Kinder an die Grenzen ihrer Geduld zu bringen. Aber wenn wir klar sind, wenn uns etwas wirklich wichtig ist und wir uns eingestehen, dass wir es anders nicht akzeptieren können, dann wird es auch unseren Kindern leichter fallen, zu akzeptieren und zu kooperieren.

Aber hier noch eine kleine Herausforderung. Konsequenz ist keine Einbahnstraße. Ein Beispiel:  Gestern Abend rutschte Herr Klein vom Hocker im Bad auf den Badewannenrand. Ich neige zu dem Visualisieren von unmöglichen Stürzen und Unfällen, vor allem, seitdem er mit Gipsarm durch die Welt spaziert. Also sagte ich ihm, er soll sich nicht auf den Wannenrand setzen, weil das gefährlich ist. Weil er nicht gleich reagierte, schob ich ihn wieder vor auf den Hocker. Danach setzte ich mich neben ihn. Auf den Wannenrand… Nun ist er schon in einem Alter, in dem er solche Situationen sehr leicht entdeckt und rief: „Mama, Du auch nicht!“

Hier hätte ich „die Große“, die so etwas darf, spielen können. Ich kann aber auch in meinem gesamten Verhalten konsequent sein. Und so habe ich mich vor ihn auf den Boden gehockt. So wie ich auch ein „Nein!“ von ihm akzeptiere. Dann schneiden wir die Fingernägel eben morgen, dann fahre ich mit der Holzeisenbahn in die Richtung, statt in die und setze mich zum Frühstück auf den Stuhl links von ihm, statt rechts.

Es ist ein stetiges Lernen. Ein stetiges Wachsen und Werden. Ohne richtig oder falsch. Und es macht Freude, wenn wir bereit sind, uns darauf, auf unsere Kinder und auf uns selbst einzulassen.

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Spaß 10/13 – Steine

OLYMPUS DIGITAL CAMERADiese Idee habe ich auf der Seite von ChoicesFamilyDaycare, eine Seite, die mich in Sachen Spiel und Dekorationen für Kinder immer wieder fasziniert und inspiriert. Die kleine Raupe Nimmersatt auf Steine gemalt… Viele Ideen speichere ich mir ab „für später“, wenn die Kids älter sind. Aber hier wollte ich loslegen, und zwar sofort. 

Also schnell ein paar Steine gesammelt und die Pinsel geschliffen…

Bemalt habe ich die Steine mit normaler Acrylfarbe. Danach habe ich sie mit durchsichtigem Nagellack überzogen. So glänzen sie etwas, die Farbe hält sicher und sie fühlen sich unglaublich schön an. Das hat auch die Reaktion von Herrn Klein bewiesen. Ich habe ihm die Steine in einer Schale zu dem Buch dazugestellt. Er sortiert nun täglich die Steine zu den Bildern. Rein und raus. Dreht sie um. Zählt sie. Selten hat etwas so eingeschlagen wie die Raupe auf Stein.

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Er selbst will natürlich auch Steine anmalen. Und bei dem wunderschönen Herbstwetter da draußen, ist das eine recht gemütliche Beschäftigung für groß und klein.

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Für Leselernkinder ist die Idee der Buchstabensteine sehr ansprechend.

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Statt schnöde Buchstabe für Buchstabe zu lernen, können die Kinder die Buchstaben so auch mit anderen Sinnen erfahren. Man kann eine Schale mit den Steinen anbieten und die Kinder können selbst Wörter legen. Daraus ergeben sich dann unendlich viele Spiele, bei denen Kinder Buchstaben und Wörter lernen, später Sätze.

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAber egal was, Steine bemalen ist ein Klassiker, der Outdoor- und Indooraktivitäten wunderbar miteinander verbindet.

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Ich will das nicht !

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWenn ich als Kind etwas gern wollte und das auch so ausdrückte, wurde mir immer gesagt: „Das heißt ‚Ich möchte bitte!'“. Und so prägte sich das Wort wollen immer mehr als negativ in meinem Kopf ein. Und nun habe ich eigene Kinder und möchte mit ihnen klar aber gewaltfrei kommunizieren. Das hieß für mich eben auch, das Wort wollen weiterhin zu vermeiden.

 

 
Nun waren wir kürzlich aus verschiedenen Gründen bei Mag. Daniela Pichler-Bogner zur Familienberatung. Neben den unzähligen Erkenntnissen entdeckte sie, dass unsere Kommunikation mit Herrn Klein sehr ambivalent war. Ein „Hör bitte auf damit!“ oder „Ich möchte nicht, dass Du mich haust.“ ist für die eigentliche Nachricht, die dahintersteckt, zu schwammig und höflich ausgedrückt. Denn was ich doch in dem Moment, in dem die kleinen aber kräftigen Kinderhände auf mich eintrommeln, fühle, ist: „ICH WILL DAS NICHT!“

Und genau das kann ich auch sagen. Das hat nämlich nichts mit gewaltvoll zu tun. Es ist eher klar, deutlich und in kurzer Knappheit sehr verständlich. Wir sagen ja einem Fremden in der U Bahn, der uns körperlich zu nahe kommt und drängelt nicht: „Könnten Sie bitte aufhören so zu drängeln? Ich möchte das nicht.“

Manchmal, vor allem wenn wir uns zu sehr damit beschäftigen, wie wir respektvoll und einfühlsam mit unseren Kindern kommunizieren und leben wollen, landen wir in einer Art „Überempathie“. Wir versuchen so sehr zu verstehen, was das Kind gerade tut und warum, dass wir vergessen, was auch menschlich und uns selbst gegenüber einfühlsam ist. Nämlich auch auf uns zu achten.

Ein Beispiel: Ich war mit Herrn Klein vor einiger Zeit, als ich schwanger war, im Büro um mit meinen Kollegen etwas zu besprechen. Das Büro liegt im 1. Stock. Als wir gingen, wollte Herr Klein unbedingt allein die Stiegen hinuntergehen. Kein Problem. Ich trug seinen Buggy. Weil er nicht sonderlich schnell unterwegs war, überholte ich ihn mitsamt Buggy, weil der mir auf Dauer zu schwer wurde. Herr Klein tobte. Der Buggy durfte auf keinen Fall VOR ihm unten ankommen sondern ich sollte damit oben warten, bis er selbst unten war. Ich hatte nun aber weder Lust noch Energie hochschwanger mitsamt Buggy wieder hinaufzugehen. Was ich aber sagte, war: „Ich verstehe, Du wolltest gern, dass der Buggy oben wartet.“ Verzweifeltes Schreien. „Buggy wieder rauf!!!“ „Du willst jetzt unbedingt, dass ich den Buggy wieder rauftrage. Ich möchte das aber nicht.“ „Buggy wieder raaaauuuf!!!“ Schreien. Toben. Kurz überlegte ich tatsächlich, wieder hinaufzugehen. Mein Bauch verweigerte das aber. Ich wiederholte die oben genannten Sätze. Herr Klein wiederholte sein Toben und Schreien. Bis ich (natürlich) die Geduld verlor, Herrn Klein schnappte und die letzten Stufen hinuntertrug, in den Buggy setzte und kämpfend anschnallte. Danach weinte er, ich war erschöpft und fühlte mich elend.

Was es gebraucht hätte? Ein einfaches „Du willst den Buggy wieder da oben haben. Das ist mir zu anstrengend. Ich will, dass Du jetzt runterkommst.“ Ruhig. Klar und deutlich. Aber bestimmt. Zu viel Empathie führte hier zu Ausreizung meiner Geduld und Nerven. Und für ihn zu der ambivalenten Nachricht „Sie versteht mich, aber sie handelt nicht entsprechend.“ Gebracht hat es uns beiden nichts.

Oft trauen wir unseren Kindern eine gewisse Ablehnung nicht zu. Wir haben Angst, dass sie mit dem Nein nicht klarkommen. Vor allem, wenn es ein Nein ist, weil wir etwas nicht wollen, weil etwas unsere Grenzen erreicht hat und nicht, weil etwas für sie zu gefährlich ist oder tatsächlich nicht zumutbar. Aber wie schon im letzten blogpost gesagt, wollen Kinder authentische Eltern, die klar formulieren, was ihnen wichtig ist. Nicht über eine Höflichkeitskurve, sondern geradeaus. Durch die Mitte aus dem Bauch heraus.

In unserer Gesellschaft werden wir immer mehr auf Höflichkeit und Diplomatie getrimmt. Wir beugen uns vielen Unannehmlichkeiten und lernen recht früh, unsere eigenen Bedürfnisse zurückzustecken. Umso wichtiger ist es, das wir da, wo wir wirklich wir selbst sein können und es – zum Wohle unserer Kinder – auch sein sollten – ganz authentisch sind. Und einfach mal sagen: „Das will ich nicht!“
Und wenn man das einmal gemacht hat, merkt man, wie gut das tut. Wie der Körper mitschwingt bei diesen Worten und die innere Abwehr untermalt. Oft fühle ich dann die jahrzehntelange Unterbindung des Wortes wollen wie einen zu eng geschnallten Ledergurt von mir fliegen. Befreiend ist das.

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