Spaß 23/13 – Erstes Zählen

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Der Herbst ist fortgeschritten und bevor die letzten Kastanien von eifrigen Kinderhänden aufgesammelt sind, hier schnell noch eine Idee für alle, die wie ich, die kastaniengebastelten Untiere nicht mögen.

Ich bin also froh, dass Herr Klein bisher nur am Kastaniensammeln an sich Freude hat. Das Basteln interessiert ihn noch nicht.

 

 

 

Ich hingegen habe überlegt, was man nun mit den Kastanien anstellen kann. Herr Klein ist interessiert am Zählen, und so lag es nahe, dass mein Montessori-Ich ihm etwas zum Zählen daraus bastelte.

Montessori selbst hat ja das wunderschöne, aber eben doch recht teure Perlenmaterial entwickelt. Das ist sehr reichhaltig, vor allem, wenn man alle Möglichkeiten damit ausschöpft. Und als ich mir die herumliegenden Kastanien so anschaute, kam mir die Idee, diese Perlenketten daraus herzustellen. Mit den üblichen Zahnstochern ist das sehr einfach. Und für einen Zählanfänger im Kindergartenalter ist das Perlenmaterial sowieso noch recht klein und filigran und viel zu komplex. Kastanien haben eine schöne Größe und interessante Haptik

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Und das Interessante an den Perlenketten sind dann ja auch die Möglichkeiten für Addition und Subtraktion. (was natürlich im Fall von Herrn Klein keine Rolle spielt)

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Man kann die Kastanien auch mit Schnüren verbinden. Dann sind die Ketten beweglicher. Ich fand die stabilen schöner und habe diese Schnurkette Frau Klein zum Spielen gegeben. Somit besteht auch keine Gefahr, wenn die Kastanien schrumpeln und zu klein werden für kleine Babies.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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Mehr Mut zum Ich – erste Gedanken

Die Berlinmittemom hat heute eine Blogparade gestartet, die ich sehr spannend finde. Denn: Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass in Deutschland 64 Prozent aller Mädchen im Teenageralter aufhören, die Dinge zu tun, die sie lieben, weil sie sich mit ihrem Äußeren unwohl fühlen.
Ein trauriges, aber zugleich spannendes Thema. Hier meine ersten Gedanken dazu:

Als ich mich mit 18 für ein Studium entschieden hatte, traf ich meinen Vater für ein Gespräch über die finanzielle Unterstützung seinerseits. Eine Kernaussage des Gesprächs war, dass Mädchen ja eigentlich nicht studieren müssten. Mein Vater ist ein sehr humorvoller Mensch, voller Ironie und Sarkasmus. Aber in dem Moment hatte ich das Gefühl, dass ein großer Klumpen innerer Wahrheit aus ihm sprach.

Ich habe das dennoch nicht ernst genommen. Nicht allzu ernst jedenfalls, denn ich schrieb mich für das Studium in Lehramt für Gymnasium mit der wahnwitzigen Fächerkombination Mathematik und Deutsch ein. Ich war so etwas wie hochmotiviert. Das Studium begann im Oktober. Weihnachten beschloss ich, die ganze Sache hinzuwerfen. An der Mathematik verzweifelt, in der Germanistik angenervt von sprachwissenschaftlicher Lautlehre war ich komplett überfordert und sah mich nicht mehr raus. Da ich nun aber schon ein kleines feines Zimmerchen im Studentenwohnheim bezogen und eingerichtet hatte und sowieso das Gefühl, mich unendlich rechtfertigen zu müssen, suchte ich nach einem neuen Studium ausschließlich in den Studienführern der Uni und FH Magdeburgs. Bauingenieurwesen war der Mathematik recht nahe, es war möglich im Sommersemester einzusteigen und überhaupt schien das doch etwas, mit dem man etwas anfangen konnte. Etwas Handfestes. Greifbar.

Damals wusste ich noch nicht, dass ich so gut erzogen war, dass ich selbst, wenn ich glaubte mein eigenes Ding zu machen, immer wieder meine Eltern zufrieden stellte. Und alle Weg so legte, dass sie die Vorstellungen meiner Eltern brav kreuzten, ein Stück begleiteten. Und meine Eltern gaben mir immer das Gefühl, mir alles zu ermöglichen. Mir alle Türen offen zu halten. Das taten sie auch. Keine Frage. Ich war nur bereits so weit herangewachsen, dass ich es war, die das Gefühl hatte, ihnen gerecht zu werden. Und lange Zeit auch den Eindruck dem Ehrgeiz, den Leistungen meines zu dem Zeitpunkt schon verstorbenen Bruders zu vertreten. Ihn, der so genau wusste, was er wollte, der klare Ziele hatte und so unglaublich entschlossen und verbissen für etwas einstand, wollte ich ein Stück in mir weiterleben lassen. Und vergaß mich dabei komplett.

Einige meiner Schulfreundinnen begannen Studien wie Philosophie, Archäologie etc. Ich behauptete zu Hause vor meinen Eltern, dass das ja alles nichts wäre, womit man mal etwas anfange könnte. Im Inneren bewunderte ich sie doch dafür, dass sie ihren Interessen und Neigungen folgten.

Als ich heute überlegte, was ich als Teenager so gern tat, so unbedingt machen wollte, und dann womöglich hinter mir ließ, fiel mir erst nichts so richtig ein. Und dann so viel. Ich verließ den Karateverein, weil es mich anwiderte mit älteren Herren, die schwitzten, zu kämpfen. Und für deren Training ich mich immer zu schwach fühlte. Das Singen im Jodelverein machte mir sogar Spaß. Aber als der Tag X kam, an dem wir einzeln vorjodeln sollten, blieb ich lieber im Bett. Im Tennis wurde ich nach 4 Wochen heimgeschickt, weil meine Arme zu schwach wären. Ich wusste ja nicht, dass man Tennisarme bereits haben muss, um Tennisspielen zu lernen. Handball, Basketball, Volleyball… ich fühlte mich immer als die Niete, die niemand im Team haben wollte. Teamsport stresste mich. Leichtathletik reizte mich, allerdings gab es dafür auch eine Probefrist, die mich vom Probieren abhielt. Als ich Freude am Badminton entdeckte, trat ich einem Verein bei, in dem alle bereits so professionell spielten, dass sie während jedem Training für anstehende Wettkämpfe trainierten und keine Zeit hatten, meine Freundin und mich auf irgendein passables Level zu bringen. Ich wünschte mir eine Gitarre und bekam sie mit den Worten: „Na, das ist doch auch nur wieder so ein Flitz.“
Ich begann also viel, und blieb nirgends hängen. Ich ließ mich einfach ausschließen oder ging von selbst. Mit einem Selbstwertgefühl, dass immer mehr in den Minusbereich abwanderte.

Bis auf das Schreiben. Das tat ich immer. Damit war ich in der schulinternen Schreibwerkstatt relativ erfolgreich. Aber das ist ja nix. Es war ja immer klar, dass ich damit nicht weiter kommen würde. Dachte ich. Dachte. Und erwachte ich.

„Schreib doch mal wieder was.“
„Schreibst Du eigentlich noch hin und wieder?“

Immer wieder wurden mir von meiner Mutter diese Fragen gestellt. Und als ich nach meinen Jahren in Schottland einen Teil dieser Zeit niederschrieb, druckte, zusammenband und meinen Eltern schenkte, sagte mein Vater: „Das Schreiben, das wäre doch wirklich was für Dich. Damit kannst Du doch sicher Geld verdienen, das ist doch wirklich gut.“

Ja, so wuchs ich auf. In dem Glauben aller Möglichkeiten vor der Haustüre. Mit den richtigen Sätzen zur falschen Zeit. Niemals ernsthaft hinterfragt. Komplett ahnungslos, was ich mit mir und meinem Leben anfangen sollte.
Als ich mit 24, nach 6 endlosen Jahren Bauingenieurstudiums, endlich dem Diplom in der Tasche davonzog, nach Großbritannien, weil ich vom Bau nichts mehr wissen und sehen wollte, fühlte ich mich groß. Fühlte mich erwachsen und frei. Tatsächlich habe ich die wahre Freiheit erst vor einem Jahr gefunden. Als ich meinem Chef sagte, dass ich kündigen würde, weil ich im Bauwesen so unsagbar unzufrieden und unglücklich sei. 10 Jahre einen Beruf ausgeübt, in dem ich nie angekommen bin. Der mich nie erfüllte.

Weil ich das, was ich wirklich gut konnte und wollte, selbst nicht ernst nahm. Weil ich kein Selbstwertgefühl hatte, dass mich irgendwo hielt. Weil ich selbst nicht wusste, was mich wirklich interessierte. Und was nicht. Und ich so ziellos probierte, versuchte und scheitete. Immer und immer wieder. Und weil ich mich sowieso so anders, manchmal falsch und unverstanden fühlte. Weil ich kein Mädchen war. Weil ich Hosen liebte und jahrelang meine Schuhe in der Männerabteilung kaufte. Weil ich den immer wieder angebotenen Lippenstift meiner Mutter angeekelt ablehnte, und weil sie dennoch immer wieder sprach: „Naja, eines Tages fängst Du schon noch damit an.“ Weil mein Freund der wohl durchgeknallteste Kerl meines Jahrgangs war. Weil ich eben so vieles schon begonnen und nichts wirklich „durchgezogen“ hatte. Vielleicht wollte ich das alles wett machen, indem ich zumindest bewies, dass etwas aus mir werden würde. Und ich so einen Weg ging, der etwas „Gescheites“ aus mir machen würde.

Frau Klein ist noch sehr klein. Und die Zukunft so lalligdudelnde Musik wie die Sprache, die sie gerade spricht. Dennoch will ich ihr von Anfang an das Gefühl geben, dass sie jemand ist. Sie ernst nehmen und ihre Interessen erkennen und unterstützen. Ein rosa Kleidchen so akzeptieren wie eine abgewetzte Jeans. Ob sie mit Puppen spielt oder mit Autos. Ob sie Tanzen will oder den Skatern in der Half Pipe vorm Haus die Tricks abzaubern. Ihre Tränen wegwischen und ihr Lachen lauthals erwidern. Ihre Probleme ernst nehmen und sie bedingungslos lieben. Und ihr die Chance geben mich kennenzuleren. Denn als ich meinem Vater erzählte, dass ich das Bauwesen hinschmeißen würde und stattdessen Familienbegleiterin und Kursleiterin werden würde, war er höchst interessiert und findet die Idee sehr interessant und spannend. Habe ich wirklich mit 34 erst meinen Vater so richtig kennengelernt?
Ich will sie hören und mit ihr reden. Und sie schon jetzt als vollzählige Person ansehen. Damit sie als Teenager gestärkt ist. Denn ich glaube, dass es das ist, was ich wirklich tun kann. Ihr ein Selbstwertgefühl mit auf den Weg geben, aus dem heraus ein Selbstbewusstsein wächst, dass sie, auch wenn alle um sie herum geheuchelten Idealbildern verfallen, dennoch auf ihrem Weg bleibt. Dass sie überhaupt spürt, was sie wirklich interessiert. Was ihr inneres Verlangen ist. Was ihr Freude bereitet. Und was nicht und warum nicht. Und sie mit 18 eine Zukunft wählt, die sie nicht mit 34 hinschmeißen muss, weil es doch eigentlich die Zukunft ihrer Eltern war.

Vielleicht hat all das nicht  viel mit der eigentlichen Kampagne „Mehr Mut zum Ich“ zu tun. Weil es nicht so viel um Äußeres ging. Aber ich glaube eben, dass es unsere Aufgabe als Eltern u.a. ist, unseren Kindern ein gutes Selbstwertgefühl mit auf den Weg zu geben. Damit sie eben nicht von ihrem Äußeren getragen von ihren Pfaden abdriften. Sondern mit der Erde verwurzelt sich selbst als wertvoll erleben.

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Ich liebe Dich, Tante!

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWährend der Eingewöhnung mit Herrn Klein im Kindergarten hatte ich die Möglichkeiten, den Kindergartenalltag einmal von innen her zu erleben. Das war sehr spannend. Es gab natürlich auch Momente, die ich fragwürdig fand. Einer war, wie ein Mädchen sich vor die Leiterin der Gruppe stellte und aus dem Nichts heraus „Ich liebe Dich, Tante!“, sagte.

Es war nicht nur die Tatsache, dass sie die Pädagogin „Tante“ nannte. Das ist eine ganz andere Geschichte. Es erschreckte mich, wie leichtfertig das Mädchen mit dem Satz „Ich liebe Dich“ umging.

Die Worte wiegen schwer im deutschen Sprachgebrauch. Vielleicht etwas zu schwer. Deshalb gibt es die etwas leichtere Alternative „Ich hab Dich lieb.“ Damit bin ich aufgewachsen. Ein „Ich liebe Dich“ hörte ich selten und es fällt mir womöglich auch deshalb so schwer, es selbst zu sagen. Selbst wenn ich es meine. Dennoch weiß ich tief im Inneren, wie sehr meine Mutter mich liebt. Daran musste ich nie zweifeln. Und genau darum geht es. Denn egal ob „Ich liebe Dich“, „Ich hab Dich lieb“ oder „I love you“ – es geht nicht so sehr darum, was davon wir unseren Kindern sagen, sondern dass sie verstehen, was wir damit meinen. Und dass sie sich dessen sicher sind. Nicht nur, wenn wir es ihnen sagen. Immer. Jederzeit. Ununterbrochen.

Es gibt für Kinder nichts schlimmeres, als die Sorge ob sie von ihren Eltern geliebt werden. Und deshalb halte ich es für wichtiger, dass wir viel öfter einfach

– Da sind. Komplett anwesend. Ohne Handy, Computer oder Gedanken an die Arbeit.

– Zeit nehmen. Für die extra Minute am Morgen, die das Kind braucht, bevor es in den Gruppenraum verschwindet.

– Ja! sagen. Ja! zum Pfützenhopsen. Ja! zum „Singst Du mir noch ein Lied?“ und noch eins. Und noch eins. Und noch… JA! zu zwei aufgestreckten Armen, die getragen werden wollen.

– Lachen! Gemeinsam. Auch über Dinge, die wir im ersten Moment für gar nicht ustig halten. Der Liepste und ich erinnerten uns gestern Abend an den Morgen, an dem Herr Klein, während wir noch dösten, den Joghurt über all seine Autos ergoss. Es sah aus wie eine Schneelandschaft und es war einfach diese typische Situation, die man im Kopf hat, wenn man an ein Leben mit einfallsreichen Kleinkindern denkt. Wir lachen heute noch sehr darüber.

– Verstehen. Dass ein Nein! schwer fällt. Dass die rote Tasse wichtiger ist als die gelbe. Dass der öffentliche Aufschrei gerade eigentlich Müdigkeit, Hunger und Selbstnichtverstehen ist.

– Umarmen. Drücken. Fest halten. Wenn so vermeintliche NIchtigkeiten zu übergroßen Kullertränen führen.

– Kämpfen. Gegen das böse Monster unterm Bett.

– den Tag mit viel Ja!, Liebe, Kuscheln und Lachen ausklingen lassen. Für bunte Träume und kuschliges Wohlsein.

Dann ist ein „Ich liebe Dich!“ nur das extra Stück Schokolade, das drölfzigste Gummibärli, die extra Kugel Eis auf einen Tag voll Süßem. Und nicht das täglich Brot.

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