40. Na und!

Heute bin ich also 40. Früher war das eine ziemlich irre Vorstellung und ich habe es vermieden darüber nachzudenken, dass dieser Tag mal kommen würde. 40. Das klingt doch irgendwie schon so alt und erwachsen.

In der Nacht auf meinen 30er war ich gerade allein in Wien. Der Liepste verweilte noch in Edinburgh um die Wohnung aufzugeben und kam am nächsten Tag erst nach Wien. Ein komplett neuer Lebensabschnitt lag vor uns. Ich spazierte abends durch das mir fremde Wien und hatte Lust diese 30 irgendwie zu feiern. So ging ich in die nächstbeste Bar, in der noch Menschen saßen und gesellte mich am Tresen zu den letzten dort Trinkenden. Aus Schottland war ich es gewohnt, dass die Leute an der Bar prinzipiell sehr redselig waren. An diesem Abend fühlte ich mich schottisiert. Und natürlich war es für die dort Trinkenden komisch, dass da eine Frau einfach so allein auftauchte und ein Glas Rotwein bestellte. Nunja. Das Ende vom Lied war ein recht geselliger Abend mit zu vielen Gläsern Wein und Whisky mit Menschen, die ich dann nie wieder gesehen habe. Und irgendwie war das genau richtig so.
Am nächsten Morgen war ich verkatert, aber zufrieden mit meinem Leben. Der Liepste flog am Abend ein und aufgeregt und neugierig stürzten wir uns in dieses neue Abenteuer. Diese 30 war aufregend. Die 40 herrlich weit entfernt.

So viel ist seitdem passiert. Drei Kinder sind in unser Leben getanzt. Wir haben geheiratet. Wir haben ein Wohnprojekt mitgegründet und leben seit fast 5 Jahren in diesem irren Haus. Wir sind viel gereist und haben wirklich wundervolle 10 Jahre in Wien verbracht. Und nun?

Nun stehe ich wieder an einem Scheidepunkt. Das Thema Kinder ist abgeschlossen. Da kommt nichts mehr, die drei, die hier herumhüpfen und mich gleichzeitig fordern und beglücken, dass es nicht auszuhalten ist, sind genug und manchmal mehr als das. Mich um sie zu kümmern, dafür zu sorgen, dass sie gut versorgt sind, sie zu lieben und in diese Welt, in dieses Leben zu begleiten, ist meine wesentliche Aufgabe im Moment. Daneben habe ich mich verändert. Das Bauingenieurwesen liegt weit zurück. Es folgten dieser Blog, die Familienbegleitung und die Arbeit im Spielraum. Nun steht eine neuerliche Wandlung bevor. Nicht ganz so radikal, denn der Buntraum wird hier so online bunt weitergehen. Daneben werde ich endlich meinen kreativen Seiten Raum geben. Grafisch, Fabulierend, das Leben verzaubernd. Konkret ist dabei noch nichts, aber genau das hat auch seinen Reiz. Und mit 40, ja mit 40 wird man langsamer in seinen Entscheidungen. Vielleicht bedachter, erfahrener. Mit 30 hätte ich das vielleicht spießig gefunden, aber als ich heute an meinem Geburtstag vor lauter Wahnsinn den Rappel gekriegt habe die Wohnung zu saugen und den Müll der letzten Tage wegzubringen, fühlte ich mich auch enorm spießig. Und manchmal ist das okay so. Denn mein Herz, das ist alles andere als spießig. Das ist kindisch, wild und bunt. Das rumpelt und hüpft. Das ist fragil und klingt und klirrt zuweilen. Das ist neugierig und hingebungsvoll. Es ist voller Leidenschaft und Sanftmut. Es ist mutig und stark. Und irgendwie klingt das doch in Summe alles gar nicht so schlecht.

Nein, diese 40 ist nicht schlecht. Sie ist frech, wild und wunderbar. Und Astrid Lindgren hatte damals sicher nicht nur Kinder im Kopf, von denen sie forderte genau das zu sein. Auch die inneren Kinder und die großen Menschen. Denn die alle bräuchten so viel mehr davon.

Ich bin gespannt auf diese 40 und all die Zahlen, die sie mit sich bringt. Ich freue mich, wenn Ihr hier dabei bleibt und mit mir gemeinsam dieses bunte Leben verfolgt. Ich danke Euch für all die dankbaren Nachrichten und Kommentare, die Ihr mir hier hinterlasst. Für all die Emails und Worte anderswo. Das Leben ist doch wirklich zauberhaft. Nicht jeden Moment, aber in doch so vielen. Und ich bin dankbar. Für dieses Leben und diese Fülle, die ich habe.

Komm her Du 40, lass Dich umarmen!

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mbsr – was es mir als Mutter gebracht hat

Zum ersten Mal stand ich vor ca. 2,5 Jahren vor der Entscheidung einen mbsr Kurs zu besuchen. Da war ich aber hochschwanger mit Miniklein und die Gefahr im Kurs ein Baby zu gebären war größer als den Kurs von Anfang bis Ende zu besuchen. Also verschob ich die Teilnahme. Vor 1,5 Jahren dann war Miniklein da und groß genug, dass ich ihn abends dem Liepsten überlassen konnte und beim mbsr Kurs teilnehmen konnte. 

Seitdem führen wir den Kurs mit Martin weiter und weiter weil wir alle sehr davon profitieren und die regelmässigen gemeinsamen Abende als sehr wertvoll und bereichernd erleben. Aber was ist das überhaupt, dieses mbsr? mbsr steht für mindfulness based stress reduction. Es ist also eine achtsamkeitsbasierte Methode Stress zu reduzieren. Das bedeutet konkret: die eigenen Stressfaktoren zu erkennen und das eigene Stressverhalten zu hinterfragen und möglicherweise umzugestalten. So, dass wir nicht mehr in jedem Fall völlig gestresst, gereizt und genervt agieren, sondern vorzugsweise gelassener, ruhiger und entspannter (für dieses Wort werde ich den Kurs vermutlich wiederholen müssen, aber das ist ok :)).

An den Kursabenden diskutieren wir über unser Stressverhalten, über Emotionen und Kraftquellen, Ressourcen und alles, was mit dem Thema zu tun hat. Wir machen Meditationen und Körperübungen. Achja und wir lachen auch, das macht den Kurs besonders wertvoll. Im Netz tauchen immer wieder Informationen, Artikel und Sendungen über mbsr – das von John Kabat Zinn entwickelt wurde, auf. Und dann lese oder höre ich, was es bei anderen bewirkt, so dass ich mich natürlich auch frage: Was hat es mir eigentlich gebracht? Immerhin bin ich jetzt kein Guru, sitze nicht den ganzen Tag entspannt im Lotus auf der Matte und lächle zufrieden. Die Vorstellung ist aber ganz witzig. Ich bin ja auch kein bekehrter Buddha, durch den Kurs, sondern… ja was eigentlich? Also habe ich mal zusammengetragen, was der Kurs mir bisher gebracht hat.

Grenzen erkennen und wahrnehmen. Und zwar meine eigenen. Das ist besonders wesentlich und wertvoll. Ich erkenne mittlerweile viel schneller und klarer, wenn mir eine Situation zu viel wird oder werden könnte. Erst letztens im Freibad war ich mit allen drei Kindern im Nichtschwimmerbecken. Es war anstrengend, weil Miniklein auf der Treppe herumkletterte, ich gleichzeitig Frau Klein im Auge haben wollte und Herr Klein mir dauernd seine Tauchkünste zeigen wollte. Und auf einmal sagte ich: Sorry, alle raus, ich brauch ne Pause. In dem Moment wurde mir auch der Lärm im Freibad bewusst und ich merkte, dass ich rechtzeitig die Bremse gezogen hatte.

Pausen. Ich bestehe auf meine Pausen. Ohne schlechtem Gewissen, ohne mich groß dafür zu erklären. Eltern brauchen Pausen. Und so habe ich es mir angewöhnt mich einfach, wenn mir alles anstrengend scheint, daheim aufs Sofa oder auf den Teppich davor lege und die Augen schließe. Oder ich nehme mir ein Buch und lese. Die Kinder wissen das, kennen das. Sie legen sich zu mir oder lassen mich in Ruhe.

Innehalten. Ich spüre oft den Sturm kommen und anstatt gleich zu explodieren, kann ich immer öfter innehalten und überlegen, wo jetzt eigentlich das Problem ist. Ich kann dann eher beschreiben was ich wahrnehme. Und das reicht ja oft schon, damit das Gewitter vorbeiziehen kann.

Die anderen. Wenn man so erschöpft und am Limit ist, dann fragt man sich ja doch immer wieder: Wie schaffen das die anderen Mütter? Die haben auch 3, 4 oder 5 Kinder. Die wirken entspannt und zufrieden. Das stresst mich aber nicht mehr. Ich weiß einfach, dass ich so bin wie ich bin und es mir absolut und überhaupt nichts bringt mich mit anderen zu vergleichen. Und dass die anderen eben ganz andere Stressauslöser haben, ein ganz anderes Stressverhalten leben. Ich spüre auch immer mehr wie andere Eltern in dem was sie wie tun viel weniger be- und verurteile. Das habe ich schon immer geübt und finde es dann sehr bereichernd zu sehen: Für euch ist das jetzt gerade richtig so. Und punkt. Das tut gut, erleichtert und entspannt.

Mehr Ich-sein. Ich akzeptiere mich immer mehr als die Mutter, die ich bin. Dazu gehört eben auch die Erkenntnis vom Strand. Ich muss mich nicht auf den Kopf stellen. Meine Kinder lieben mich genau so, wie ich bin.

Selbstmitgefühl. Und wenn mir all das doch mal schwer fällt, dann hilft mir ein bisschen mehr Selbstmitgefühl und Selbstliebe, dass ich mir verzeihen kann.

Und letztendlich kann ich mich immer besser in verschiedenen Situationen von außen betrachten und verstehen und kennenlernen. Warum agiert die Nadine da so, wie sie tut? Was ist da wieder los in ihr? Es tut gut alte Muster zu erkennen und gegebenenfalls zu durchbrechen.

Natürlich gibt es noch immer Momente, in denen ich ausflippe. Und zwar so richtig. Aber erstens werden sie viel weniger. Und zweitens kann ich viel besser erkennen, was der eigentliche Auslöser war und das Geschehen richten. Und am Ende eines wirklich fiesen Tages kann ich noch immer zurückblicken und etwas Gutes, etwas Zauberhaftes entdecken.

Also ja, falls Ihr da wo Ihr seid einen mbsr Kurs entdeckt: Ich kann es Euch nur wärmstens empfehlen da einzutauchen.

Und wer in Wien ist: Das sind die Angebote von Martin Leitner, meinem wunderbaren MBSR- Trainer und Achtsamkeitscoach.

Vermutlich riecht das hier nach bezahlter Werbung. Ist es aber nicht. Ist überzeugte Werbung ohne Geldfluss. Und das ist gut so.

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Einfach nur Eltern sein.

Im Urlaub verbrachten wir den einen oder anderen Tag am Strand, lag ja nahe, da war ja die Ostsee. Die beiden Kleinen sind den Wellen und dem Meer eher skeptisch gegenüber eingestellt, aber Herr Klein wagt sich gern schon etwas weiter hinaus. Allerdings natürlich nicht ohne uns, und so war es auch mal an mir, mit ihm ein Stück hinauszuschwimmen.

Nun bin ich eher so eine Wasserphobikerin. Ich mag das Wasser voll gern, aber ich hab sowohl im Schwimmbecken als auch in Seen oder Meeren eine ziemlich schnell panisch werdende Angst vor der Weite, der Tiefe und dem vielen Raum um mich herum und unter mir drunter. Und so schwamm ich mit Herrn Klein ein wenig raus, aber nicht zu weit. Er tauchte hin und her und durch mich hindurch und ich hatte das Gefühl, ich müsste mit ihm da jetzt ein paar mehr lustige Faxen machen. Aber was? Und so ließ ich ihn machen und schwamm neben ihm her, plauderte und lachte mit ihm.  Bis mir kalt wurde und wir raus gingen.

Kurz bevor wir zurück bei den anderen waren, sagte er: „Das war jetzt richtig schön mal nur mit Dir, Mama.“

Da ging mir einmal mehr ein Licht auf. Wir glaube als Eltern so oft, dass wir unseren Kindern eine tolle, eine aufregende, eine erinnerungswürdige Kindheit schenken müssen. Dabei ist alles, was sie brauchen, genügend Aufmerksamkeit und gemeinsame Freude. Als eines von drei Kindern ist Herr Klein froh, wenn er einen von uns allein für sich hat. Vor allem mich hat er wenig, weil mich der Kleinste noch immer sehr beschlagnahmt.

Überhaupt erlebe ich (uns) Eltern immer wieder sehr perfektionistisch und teilweise überaktiv. Uns selbst herauszunehmen und eine Pause zu machen ist fast unmöglich. ich weiß, dass es schwer ist, ich erlebe das ja täglich. Aber mittlerweile wissen die Kinder, wenn ich im Wohnzimmer auf dem Sofa oder davor liege: „Die Mama braucht jetzt mal ihre Ruhe.“ Und das ist gut so. Das ist wichtig. Und es ist genauso gut genug, wenn ich danach auch nur anwesend bin und nicht mitten im Geschehen. Wir müssen nicht die Kasperltheatermama sein, der Aktivpapa, die superkreative Bastelmutti. Wir müssen einfach nur wir selbst sein und so da, wie wir es können. Authentisch und echt. Wenn es Freude macht, ein Buch gemeinsam anzuschauen, dann heißt das „Ja gern.“ aber wenn es mühsam erscheint mit Holzzügen über den Teppich zu kriechen, dann heißt das „Nein, danke. Da hab ich keine Lust zu.“ Wir müssen nämlich gar nichts.

Miniklein spielt gern mit der Holzeisenbahn. Er kann natürlich noch nicht so gut die Schienen zusammenbauen. Das wiederum mache ich ganz gern. Aber danach bin ich raus, Züge schieben ist nicht mein Ding. Ich schau ihm gern bei seinem Tun zu, aber ich mach nicht mit. Und wenn er versinkt, kann ich mich wieder einem Buch widmen oder irgendetwas anderem.

Kinder brauchen keine Daueraktiveltern. Sie brauchen auch keine Unterhaltung und wenn ihnen mal langweilig ist, dann verstehe ich das, aber ich hole sie da nicht raus. Ich mache auch keine Vorschläge, was sie tun könnten. Ihnen fällt schon was ein, wenn man sie lässt.

An einem unserer letzten Urlaubstage war ich wieder im Wald und Herr Klein wollte mit. „Was machst Du immer im Wald?“ fragte er und ich wusste nicht so recht, was ich sagen sollte. Was tue ich? Ich spaziere. Ich betrachte die Bäume, bewundere sie. Ich finde Schätze. Ich genieße die Stille. Die Luft. Und so folgte er mir einfach, wir spazierten herum. Ich zeigte ihm die Freude des Springkraut, die sofort zu ihm übersprang. Ich zeigte ihm unterschiedliche Bäume und woran man sie erkennt. Wir wanderten zur großen Liane und schaukelten. Sonst nichts. Und als wir gingen, sagte er: „Das war schön Mama. Zu sehen, was Du da so machst im Wald.“

Kinder wollen uns als Menschen einfach sehen und kennenlernen. Wollen verstehen und uns in ihr Bild von der Welt einordnen. Sie wollen wissen, wer wir sind und was wir tun. Sie wollen nicht alles nachmachen, sie wollen entscheiden, was davon sie interessiert und was nicht. Und dann tun, wonach ihnen der Sinn steht. Sie wünschen sich, dass wir sie genauso interessiert betrachten und tun lassen. Dass wir uns für sie interessieren ohne vorzugeben. Dass wir da sind, ohne stets um sie herumzuschwirren. Vor allem wollen sie die Eltern, die wir sind und für sie sein können. Sie wollen nicht die Eltern der Kinder da drüben oder die, von denen wir vielleicht da im Internet tollste Fotos sehen. Sie wollen uns. Authentisch und echt. Das sollte doch gar nicht so schwer sein, oder?

 

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