Spaß 03/14 – von Spinnennetz und Flohzirkus

Der Umzug ist zwar nun schon eine ganze Weile her, dennoch stehen hier und da noch ein paar Schachteln und Kartons etwas unentschlossen herum. Ich mag ja gute Kartons nicht einfach wegwerfen, habe aber gerade auch nicht genug Gerümpel, um sie vollzustopfen. Also warum nicht dem Kleinschen Fädelwahn damit begegnen?

Herr Klein bringt nämlich nun hin und wieder gefädelte Ketten aus dem Kindergarten mit heim. Fädelspiele gibts ja sonst auch noch viele, aber ich mag sowas so ungern kaufen, weil es erfahrungsgemäß nur im Schrank umhersteht. Aber so ein Karton und ein altes Wollknäuel hat man ja immer im Haus. OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Mit kleinen Spinnen aus Gummi oder sonstigem Material kann man damit herrliche Spinnenweben selbst gestalten. Nur hab ich keinen kleinen Spinnen im Haus. Aus Gründen.

Die Bastelei an sich ist ganz einfach. Je nach Alter des Kindes muss man die Löcher vorbohren. Obwohl das mit einem Schraubendreher die Kids auch selbst machen können. Macht ja auch Spaß. Den Fadenanfang kann man mit Kleber vorher ein wenig steif machen, damit er sich leichter durchfädeln lässt.

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von der Jury der Kleinen auf Festigkeit geprüft

Und während ich das so fotografierte und sinnierte, kam mir noch ein andere Idee, was man mit dieser Schachtel machen könnte.

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Ich gebe zu – dieser Flohzirkus war wirklich meine eigene Spielerei. Aber ich hatte dabei viel Spaß! Ob Zirkus, Weltraum oder Rittersaal, ich denke sowohl Kinder als auch Erwachsene finden sich da die tollsten Sachen.

Es stimmt also mal wieder – A box is not a box. It’s a _________. (nach Belieben einfügen)

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Erkenntnisse der Woche – überschätzt

IMG_7382Herr Klein hat sich diese Woche öfter schwer getan im Kindergarten anzukommen. Gerade diese Woche hatten sie die Gruppen umgestellt und er sollte von nun an in einen anderen Gruppenraum. Er wurde nun in eine Gruppe mit den „Älteren“ zusammengetan. Unter den Älteren sind dann aber auch die Vorschüler. Und der Gruppenraum erinnert von der Einrichtung her schon fast an einen Klassenraum. Es gibt viel mathematisches und sprachliches Material, Landkartenpuzzle und Flaggen für die Geographiekunde. Und mittendrin Herr Klein.
Als Herr Klein in der Krippe war, wurde er viel zu früh zu schnell zur Sauberkeit gedrängt. Er brauche keine Windel mehr, er sei „bereit“, es wäre nun das Zeitfenster für ihn. Wir sahen das anders. Zogen ihm Windeln an, sie zogen sie ihm aus. Gespräche waren so ertragreich wie eine Erdbeerernte im März. Mit 2,5 sollte er hinauf in den Kindergarten. Er wäre „bereit“. Er schien auch bereit und etwas gesättigt von dem Angebot in der Krippe. Kurz vor dem Wechsel dann der Stress „er müsse selbständiger werden, sonst würde er im Kindergarten oben bei den Großen untergehen.“. Druck. Nach vorn ziehen. Ich hielt dagegen. Half ihm nach wie vor beim An- und Umziehen. Ließ ihm Zeit.

Mit 3 wollte man ihm das minutenlange Abschiedsritual mit seinem Papa morgens abgewöhnen. Er wäre „bereit“. Sein Papa hielt dagegen, verlagerte das Abschiedsritual nach draußen, beide waren zufrieden.

Im neuen Kindergarten nun hat er sich nach anfänglichen Schwierigkeiten gut eingewöhnt. Kennt sich aus, kennt die Materialien gut, hat Freunde gefunden. Im Gespräch hieß es, er interessiere sich für das Sprachmaterial. Schon bekam er Schreibhefte vorgelegt. Er sei „bereit“ für das Schreiben mit dem Stift. Aber man müsse ihn motivieren.

Diese Woche kam mir die frustrierende Erkenntnis, dass mein Sohn wohl oft überschätzt wird. Weil er so ruhig ist. Weil er manchmal so weit scheint. Interessiert ist und – soweit ich weiß – den Regeln folgt. Er tut, was man ihm sagt, so scheint es oft, wenn sie erzählen „Er kennt sich aus, er weiß was zu tun ist, er macht mit.“ Brav?

Aber ich kenne Herrn Klein. Und erlebe ihn daheim oft ganz anders. Manchmal habe ich das Gefühl, als kämpfe ich zu Hause mit dem Resultat der ständigen Überforderung. Daheim scheint er einfach alles fallen zu lassen, sich fallen zu lassen. Er braucht mich sehr, kann scheinbar nichts allein tun. Er tut eben nicht, was ich sage. Er rebelliert und tobt. Er kann wild sein. Ganz einfach Kind sein. Und ich weiß, dass er sich in vielerlei Hinsicht eigentlich gemütlich entwickelt. Im Haus wohnen sehr sehr viele Kinder. Er versteht sich grundsätzlich mit denen am besten, die ca ein halbes Jahr bis ganzes Jahr jünger sind als er. Den großen schaut er nur beobachtend zu, lässt sich kaum mitreißen. Zieht sich dann eher zurück. Er meistert Dinge auf seine Weise. In Ruhe. In seinem Tempo. Zu seiner Zeit. Er ist so. Und es tut mir leid, dass er im Kindergarten oft so gezogen wurde und scheinbar immer noch wird.

Aber ich weiß nicht, was ich tun kann. Bestehe ich darauf, dass er die Gruppe wechselt, hole ich ihn von seinem neuen besten Freund weg. Und von der einzigen Pädagogin, die von Anfang an seine Konstante war, weil alle anderen gewechselt haben. Den Kindergarten kann ich nicht wechseln, weil ich das gerade getan habe. Und obendrein bin ich ein bisschen müde, ständig die laufenden Windräder aufhalten zu wollen. Weil er angeblich zu etwas „bereit“ ist, von dem ich weiß, dass er es noch nicht ist. Ich bin es leid Gespräche zu führen und meinen Sohn zu erklären.

Und irgendwie glaube ich, dass das gar nicht so selten ist. Dass Kinder gedrängt und gefördert werden. Dass man sie im Sinne der Selbständigkeitsentwicklung viel zu sehr „anschubst“ und Druck macht. Von daher ist es fraglich, ob es in einem anderen Kindergarten anders wäre.

Also kann ich vorerst nur daheim eine Oase bieten, in der er der sein kann, der er ist. Wo er spielen kann, was er mag und vor allem: woran er Freude hat. Wo er einfach Kind sein kann.

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Biblio 2/14 – a good friend

Bildschirmfoto 2014-01-17 um 19.20.05Als ich vor 4 Jahren zu bloggen begann – damals noch auf englisch auf www.piklerexperience.blogspot.co.at – gab es noch recht wenige blogs rund um die Philosophien von Emmi Pikler und Magda Gerber. Da ich dem englischen ganz gut mächtig bin, habe ich also die Suche weltweit eröffnet und bin dabei auf den wundervollen Blog von Janet Lansbury gestoßen.

Janet ist RIE Associate. RIE – Ressources for Infant Educarers – ist im Prinzip das, was Magda Gerber aus ihrer Arbeit mit Emmi Pikler mit nach Amerika genommen und dort auf ihre Art weiterentwickelt hat. Janet hat mit Magda Gerber noch bis zu deren Tod zusammen gearbeitet. Sie leitet in Los Angeles Spielgruppen und bietet Familienberatung an. Janet hat selbst 3 Kinder und schreibt in ihren Blogpost über sämtliche Themen, die im Leben als Familie auftauchen. Sie tut das auf eine sehr einfühlsame und klare Art und Weise, die ich an ihr sehr schätze.

Janet hat mir bei vielen Fragen und Problemen schon sehr inspirierende Hilfestellungen gegeben. Nicht selten klar, kurz und prägnant, zum Beispiel auf Twitter:

ich: „When do kids stop throwing things? It is driving me nuts!!!“
Janet: „Maybe when it stops driving you nuts?“

Oft finde ich genau das, was ich bisher gar nicht selbst formulieren konnte, was mich bewegte und beschäftigte, in einem von Janets posts.

Unlängst hatten wir auch eine skype Beratung mit Janet. Es fühlte sich an, wie mit einer alten Freundin zu telefonieren.

Ich empfehle ihren Blog all jenen, die gern um Rat suchen, wenn sie anstehen. Die sich gern inspirieren lassen, was ihre Familienphilosophie angeht. Die offen sind für Selbstreflexion und Gedankenverknotungen.

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