Mein sicherer Ort

Oder was bedingungslose Liebe wirklich bedeutet

Letzte Woche im ersten Modul des mbcl Kurses begaben wir uns auf die Suche nach einem sicheren Ort. Das soll ein Ort sein, den man im Alltag jederzeit, wenn eine Situation stressig oder anstrengend ist, man emotional aufgewühlt oder besonders gefordert ist, aufsuchen kann. Ein sicherer Ort aber, an dem man sich geborgen fühlt, wohl fühlt und sicher ist vor schwierigen Personen oder sonstigen äußeren Einflüssen.

Ich hatte recht schnell einen Ort gefunden, allerdings tauchten in diesem Zusammenhang negative Emotionen auf, die ich erlebt hatte während ich mich immer wieder an diesen Ort damals “in echt” zurückzog. Also suchte ich einen anderen Ort. Der keinerlei negative Gedanken oder Gefühle aufwirbelte. Und gestern fand ich ihn. Ein Ort, an dem ich im Kopf mit allen Sinnen nur positives empfinde. An dem Gerüche mich wohlig einnehmen, Geräusche mein Herz erwärmen, ich kleine Details wieder erkenne, die mich lächeln lassen, weil ich sie längst vergessen hatte.

Ein mein Ort, an dem ich geborgen bin

Ja, dieser Ort ist mein sicherer Ort. Und er existiert. Real. In meiner Erinnerung, in meinem Kopf. Man kann auch einen Ort erfinden, sich selbst bunt gestalten. Wichtig ist, dass man sich dort wohl und geborgen fühlt. Ich fragte mich also, warum dieser Ort, dieses echte Fleckchen Erde, mein sicherer Ort ist. Was macht ihn dazu? Warum fühle ich mich gedanklich dort hinversetzt so unfassbar wohl und geborgen? Die Antwort kam leicht: Bedingungslose Liebe.

Bedingungslose Liebe

Wenn ich an diesem Ort war, war ich umgeben von Menschen, die mich bedingungslos geliebt haben. Ich habe an diesem Ort nichts müssen, was ich nicht wollte. Nichts sein sollen, was ich nicht war. Natürlich gab es Regeln, es war kein von Gerhard Schöne besungenes Kinderland. Es war ein Ort, an dem ich einfach nur ich war. Ich selbst. Nadine. So wie sie war geliebt und wahrgenommen.

Als ich das erkennt habe, habe ich noch einmal mehr verstanden, was bedingungslose Liebe für unsere Kinder bedeutet. Es ist nicht einfach nur das Lieben, ohne etwas zurückhaben zu wollen. Das Erfüllen von Bedürfnissen, die wir sehen oder spüren. Es ist auch einfach das Wahrnehmen ihrer Persönlichkeit, ihrer Art und Weise. Das Sehen ihrer Fähigkeiten und Besonderheiten. Das komplette und runde Annehmen dieses Menschen ganz so, wie er ist. Und vielleicht ganz besonders all das. Das ist so wichtig, so wertvoll. So unbedingt notwendig.

Ihr sicherer Ort

Ich weiß nicht, welcher Ort für meine Kinder einmal der sichere Ort sein wird. Ich kann das nicht bestimmen. Aber ich kann mir wünschen, dass es unser zu Hause ist oder ein gemeinsamer Ort, an dem wir gemeinsam waren. Ein Ort, an dem sie sich wohl und geborgen gefühlt haben und so sein konnten, wie sie einfach waren. Wie sie einfach sind.

Das ist zumindest eine wunderschöne Vorstellung, für die es sich lohnt, sie bedingungslos zu lieben. Oder?

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Selbstliebe am Valentinstag

Valentinstag. Dieser Tag voller datierter Liebesbekundungen. Man kann davon halten, was man will. Ob eine Liebe jedenfalls liebens- und lebenswert ist, entscheidet nicht Schokolade oder ein Strauß Blumen. Was viel mehr dazu beiträgt ob eine Liebe genug ist liegt meist bei einer einzigen Person – und das ist nicht unser Partner oder unsere Partnerin.

Das sind wir selbst.

Denn wir können nicht Liebe annehmen und geben, wenn wir uns selbst nicht lieben. Jedenfalls nicht bedingungslos. Das ist doch das Problem vieler Paare. Sie erwarten so viel voneinander. Wünschen sich, dass der oder die andere die eigenen Bedürfnisse sprichwörtlich von den Lippen abliest.

Klar is da der Wunsch nach Anerkennung, nach “Gesehen werden”, nach Wertschätzung. Aber wenn wir uns abhängig davon machen, dann begeben wir uns in eine Opferposition und aus der heraus kann die Liebe, die wir bekommen, nicht genug sein. Selbstliebe ist das Fass am unteren Teil des Bodens, in das die Liebe der anderen hineinfließen kann. Nur wenn dieser Boden stabil und gut befestigt ist, kann darauf Liebe in Unmengen schwimmen und wir können sie tragen.

Blöderweise ist Selbstliebe in unserer Gesellschaft behaftet mit der Ansicht von Eigenlob, das stinkt. Mit Eigenliebe und Egoismus. Damit, dass wir uns vor die Bedürfnisse der anderen stellen. Dabei kommen immer mehr Menschen drauf, dass es nicht gut geht, wenn wir uns immer erst um alle anderen und dann erst um uns selbst kümmern. Weil wir uns dann abhängig machen von der Liebe der anderen, die aber nicht ausreichend kommt, wenn wir sie an Bedingungen knüpfen. Vor allem wir Mütter neigen halt dazu uns in erster Linie um die Kinder zu kümmern und deren Bedürfnisse zu stillen, bevor wir uns um uns kümmern. Das kann aber nur bedingt gutgehen.

Ich plädiere also für mehr Selbstliebe. Die zu finden ist aber gar nicht so leicht. Denn ich kann mich natürlich hinstellen und sagen: Ich liebe mich. Und an manchen Tagen mag ich das vielleicht sogar glauben, an anderen wiederum kann ich das nicht mal leise denken. Es ist ein Prozess, der Zeit braucht. Aber das gute ist: Wir können heute sogleich damit anfangen. Wie?

  • Sehen, was wir gut können, leisten, schaffen. Das ist nämlich oft mehr, als wir uns selbst eingestehen.
  • Sehen, was wir bisher geleistet und geschafft haben. Auch das ist mehr, als wir glauben. Dazu gehören alle Hürden, die wir im Leben schon gemeistert haben, egal wie klein oder groß.
  • Akzeptieren, was uns wichtig ist. Egal ob andere das auch für wichtig halten oder für eine nervige Macke. Ein “Lass den Haushalt sein!” gilt nicht, wenn mir Ordnung einfach wichtig ist. Umgekehrt ist es ok, wenn jemand im Chaos gut zurechtkommt.
  • Bei uns selbst bleiben. Dazu habe ich hier schon einmal eine kleine Übung aufgeschrieben.
  • Möglichst viel Zeit mit uns selbst verbringen und uns selbst gut kennenlernen.
  • Tun, was uns gut tut. Und dabei darauf achten, dass es etwas ist, was wirklich uns gut tut. Das ist es, was mir gut tut.

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12von12 Dinge, die mir gut tun

Heute ist mal wieder der 12. des Monats. Eigentlich gibts da 12 Bilder vom Tag. Aber die Tage sind hier oft alle recht ähnlich. Und derzeit sehr voll und anstrengend. Da ist es wichtig, dass man kleine Haltepunkte hat. Kleine Momente, die gut tun. Kleine Tankstellen, die Kraft geben. Und weil man ja im Alltagsstress nicht nur gern vergisst, darauf zurückzugreifen, sondern auch vergisst, was diese Dinge eigentlich sind, habe ich sie hier festgehalten.

1. Kaffee und kein Kaffee

Über meinen morgendlichen Kaffee fährt die Eisenbahn. Vorher gibt es von mir nix, kommt nix, geht nix. Das wissen alle und das wird akzeptiert. Nachmittags hingegen trinke ich keinen Kaffee mehr, weil der mir nicht gut tut. Und zu merken, was nicht gut tut, ist indirektes Guttun, habe ich beschlossen.

2. Viel trinken

Ich neige dazu tagsüber wenig zu trinken, weil ich vor allem unterwegs sonst öfter mal ein Problem habe. Aber in den letzten Monaten habe ich vermehrt darauf geachtet, dass ich viel Wasser trinke und seitdem habe ich deutlich mehr Energie und einen klaren Kopf.

3. Wärme

Mir ist ja rund um die Uhr kalt. Vor allem in dieser kalten Winterjahreszeit. Deshalb achte ich vermehrt darauf, dass ich warm bin. Dicke warme Socken. Pulswärmer. Warme Mahlzeiten so oft wie möglich. Viel (Ingwer)Tee. Das tut gut, das beruhigt die Seele.

4. Eine Minute Augen schließen

Es klingt zu leicht, aber ist doch so wirksam. Eine Minute die Augen schließen. Die Füße spüren. Mich spüren. Wo bin ich grad? Was ist los in mir? Was spüre ich? Was höre ich? Richtet den Fokus recht schnell einfach mal weg vom Stress und Wahnsinn. Holt zurück ins Jetzt, in den Moment. Aus einer Minute werden auch gern mal fünf, oder – wenn ich grad ein Kind ins Bett bringe – sogar 10. Danach bin ich wieder etwas ruhiger. Entspannter.

5. Ein Buch (vor)lesen

“Kannst Du mir das vorlesen?” ist hier eine häufige Frage. Viel lieber will ich manchmal einfach nur dasitzen und nichts lesen. Doch heute habe ich wieder gemerkt – es tut so gut. Eintauchen in eine andere Geschichte. Mit dem Kind verbunden sein. Oder am Abend in Erwachsenenwelten abdriften. In surreale, absurde, lustige, unheimliche… alles besser als in diese verfälscht realen Welten im Internet.

6. Selbstmitgefühl

“Jetzt stell Dich mal nicht so an.”
“Andere schaffen das doch auch.”
Solche Sätze schwirren uns eher im Kopf rum, als die Akzeptanz dessen, was wir wirklich spüren. Zu sehen: Es ist grad viel. Das ist anstrengend. Ich bin müde und erschöpft. ist oftmals schwer. Wir erlauben es uns nicht. Gestehen es uns nicht ein. Dabei tut genau das gut. Weil ein Akzeptieren hilfreicher ist, als ein “ich sollte doch” und “das muss doch gehen.” Es muss nicht immer gleich eine Lösung her. Die einfache Akzeptanz reicht oft schon aus, dass es ein wenig leichter wird.

7. Musik

Musik war schon immer wichtig, hat mich berührt, beschwingt, bewegt, rausgerissen aus dem Treiben. Seit einiger Zeit höre ich wieder vermehrt bewusst Musik, schaue, was mir gerade gut tut. Was ich gerade brauche. Habe verschiedene Playlisten für verschiedene Stimmungen. Das tut so gut. Manchmal tut aber auch Stille gut. Und das ist ja auch nur der Zwischenraum zwischen den Noten.

8. Draußensein

Braucht es dazu noch viele Worte? Rausgehen tut immer gut. Je weiter weg von Beton und Asphalt umso besser. Geht aber in der Großstadt nicht immer so leicht. Deshalb habe ich mir hier einen Baum gesucht, den ich mag. Den sehe ich täglich auf meiner Kindergartenrunde. Und manchmal bleibe ich einfach noch stehen, halte inne, schließe die Augen und vergesse, dass ich in der Großstadt bin. Auch ein Blick nach oben, durch karge Baumkronen hindurch in den Himmel helfen um einfach mal die Perspektive zu wechseln.

9. Ordnung

Man kann von Konmarie halten was man will. Ich liebe sie, weil sie mir hilft das Zeug im Haus im Zaum zu halten und weil Dinge einen Platz haben. Ich brauche Ordnung um mich herum. Ich werde im Chaos unruhig, fahrig und unrund. Fühle mich nicht wohl. Es ist sicher nicht klinisch rein bei uns und gern auch mal kindlich bewohnt chaotisch. Aber eine gewisse Grundordnung ist schnell wieder hergestellt und das tut gut.

10. Box breathing

Diese Atemtechnik praktiziere ich mittlerweile mehrmals täglich. Wenn ich warte, in der U-Bahn, im Bett. Bis 4 zählend einatmen, bis 4 zählend den Atem halten, bis 4 zählend ausatmen, bis 4 zählend den Atem halten. Das ganze von vorn. Immer und immer wieder. Wenn ich gut reinkomme, steigere ich auf 5 oder 6 Zählungen. Auch das beruhigt, holt den Fokus von dem, was ist. Entspannt. Probierts aus!

11. Austausch

Ob persönlich, am Telefon oder durch Nachrichten. Der Austausch mit anderen tut gut und ist wichtig. In Interaktion sein. Miteinander reden. Sich von der Seele reden. Anderen zuhören. Ungeteilte Aufmerksamkeit schenken und erhalten. So wertvoll. Und auch wenn es “nur” Nachrichten sind – im Kontakt sein. Wird mir immer wichtiger, tut mir ganz besonders gut. Nicht allein mit “meinem Zeug”. So eine wertvolle Erfahrung.

12. Fokus auf das Schöne

Ob es Dankbarkeitsrituale sind oder einfach nur die Suche nach dem, was momentan gut ist. Was tut nicht weh, was funktioniert? Was hat mich heute überrascht oder zum lächeln gebracht? Ein Lächeln festhalten. Den Sonnenstrahl im Winter wahrnehmen und spüren. Heute habe ich in die Bäume geschaut und die Vögel zwitschern gehört. Ein Hauch von Frühling. Ein Moment des Glücks. Festhalten.

So vieles, was gut tut. Eine wichtige Liste. Vor allem zeigt sie mir: Es gibt so vieles, was gut tut. So einfach, wirksam und schnell. Nutzen. Eintauchen. Darin baden. Apropos Baden. Eine Badewanne tut auch gut. Nummer 13. Und wer weiß, wenn ich weiter überlege, vielleicht finde ich noch so viel mehr.

Was tut Dir gut, wenn alles andere stressig ist, nicht rund läuft und du erschöpft bist vom Alltag? Schreib’s Dir auf oder schreib’s in die Kommentare, damit andere davon inspiriert werden können!

Bei Draußen nur Kännchen könnt Ihr andere 12von12 sehen.

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