12 von 12 pitschnass

Ein hochsommerlicher 12er zeigte sich da heute früh. Der erste vorsichtige Blick in den Wetterbericht ließ mich wieder aufstöhnen. Gewitter und Regen waren mal wieder auf die Abendstunden verschoben. So geht das schon seit Wochen und ich bin bereits sichtlich genervt. Nungut.

Zumindest macht die Morgensonne immer schönes Licht im Schlafzimmer…

Dreiviertel Acht sind alle aus dem Haus. Und weil der Vormittag schon im Voraus vollgepackt war, ging’s vorher noch auf den Ruhepolster. Ich versuche gerade wieder täglich zu meditieren, was mir auch gelingt und gut tut. Dazu lese ich begleitend ein wundervolles Buch – Handbuch Meditation * – in dem Meditation sehr schön unspirituell und unesoterisch sondern klar und ganz Schritt für Schritt erklärt wird.

Und dann hinaus in die Welt. Ich hatte mir den Vormittag gut geplant und auch wie ich wann wohin komme. Das Fahrrad war da fix eingeplant, begrüßte mich aber müde und hinterrücks platt, also musste ich auf den Roller von Frau Klein ausweichen.

Damit ging es mal ganz weit hinaus aus dem täglichen Wendekreis bis in den 9. Bezirk, wo ich wirklich sehr selten bin. Aber die Votivkirche ist eigentlich sehr hübsch und die Gegend rundherum auch. Vor allem vor so blauem Himmel.

Im Cafe Francais gab es dann Frühstück mit einer Freundin und Spielraumkollegin. So mal aus meinem Alltagsrhythmus rauszukommen tut zuweilen sehr gut.

Dann wartete mein Dienstagstermin auf mich. Ich gehe nun einmal wöchentlich zu einer Psychotherapeutin, die mich in meiner ausgebrannt erschöpften Situation begleitet und sehr sehr viele Türen und Tore aufmacht. Das ist sehr sehr intensiv aber auch hilfreich und wertvoll und ich bin extrem dankbar. Danach sehe ich immer wieder ein Stück mehr Licht, auch wenn der Pfad noch so schmal und dunkel ist.

Danach dann zurück in den Alltagsrhythmus. Nach Hause, den Roller gegen das Lastenrad tauschen und die Kinder abholen während sich der Himmel allmählich verdüsterte. Konrad – mein Spielplatzbaum – schaute auch schon hoffnungsfroh nach oben und wartete auf Regen.

Aber der ließ auf sich warten. Halb vier hatte ich dann alle drei in der Kiste sitzen und fuhr die Meute heim. Momentan liebe ich das Lastenrad wieder sehr, weil ich einfach alle beisammen habe und im Verkehr nicht Nerven verlieren muss.

Daheim wartete mal wieder ein Date mit einem Filmteam. Die wollten unbedingt Aufnahmen von spielenden Kindern im Spielraum. Das ließ sich einrichten. Ansonsten sind ja so Filmdrehs immer wieder anstrengend, aber das Haus und die Gemeinschaft hier sind eben doch noch sehr spannend und speziell scheints. Ende Juni steht das nächste Filmteam auf der Matte….

In der Wohnung angekommen lockte mich das Klavier. Aber viel war nicht möglich, die Kinder waren dann hungrig und müde und überhaupt vom Tag erledigt.

Ich wühlte mich durchs Gemüsekistl auf der Suche nach Abendessen. Das Kistl bekommen wir derzeit von einer Nachbarin dafür, dass wir ihren Balkon gießen während sie auf Urlaub ist. Solche Tauschgeschäfte mag ich sehr.

Am Abend war ich noch bei unserem monatlichen Gesprächsabend. Und während ich dort saß begann es draußen so richtig herrlich zu schütten. So wie ich es mir seit Tagen wünsche. Naja, der Heimweg mit dem Rad war dann etwas nass. Aber daheim gibts ein Handtuch und alles ist gut.

Und während ich das so schreibe merke ich, dass so ein Tag wirklich voll ist. Und dass das oft so ist. Schlaf. Ich brauche Schlaf.

Gute Nacht!

 

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Den Blickwinkel ändern

Das Leben mit Kindern ist nicht immer leicht. Schon gar nicht mit mehreren. Das ist keine Neuigkeit. Aber was tun, wenn es mal wieder so richtig anstrengend erscheint? Wenn man mal wieder ansteht und nicht weiter weiß, weil das Kind zur Zeit wieder so schwierig ist, so unverständlich, so gar nicht in seiner Mitte?

Vor allem bei drei Kindern hier ist immer eines ein wenig aus dem Ruder. Derzeit sind es sogar die beiden Kleinen. Sie sind anstrengend wie selten, ergeben gemeinsam eine höllische Kombination an nicht zu erahnendem Blödsinn. Und während ich hier selbst so in meinem Sumpf umher dümpele, ist es natürlich leicht zu sagen: Die Kinder sind aber derzeit auch anstrengend. Es ist nicht auszuhalten. Doch leider bringt mich das ja nicht weiter. Ich wüsste gern, was ich tun könnte, aber eigentlich ist das auch zu anstrengend. Am liebsten wäre es mir, sie würden einfach so zu sich und zu etwas mehr Ruhe finden, damit auch ich wieder etwas entspannter mit ihnen sein kann.

Heute hatte ich gezwungenermaßen einen Vormittag allein mit Miniklein. Der hatte nämlich eine unentdeckte Mittelohrentzündung, so dass ihm das Trommelfell geplatzt ist. Hört sich schlimmer an als es ist, ist eigentlich ein Selbstheilungsprozess des Körpers und heilt nun von ganz allein. Dennoch waren wir beim HNO und haben das anschauen lassen, während die anderen in Schule und Kindergarten waren. Und so allein mit ihm habe ich mal wieder meinen Blick etwas richten können.

Miniklein ist extrem sorgsam und feinfühlig. Er spricht noch wenig, aber als ich zweimal geniest habe, hat er mich angelächelt und gesagt: „Soteit!“ Er achtet darauf, dass am Morgen alle ihr Bussi von mir bekommen, wenn ich aufstehe und erklärt den anderen beiden, dass es Essen gibt. Wenn er so allein in seinem Tempo er selbst sein kann – was umgeben von zwei Geschwistern einfach nicht oft gegeben ist – dann ist er sehr interessiert und liebevoll. Das zu sehen hat heute mein Bild von ihm wieder etwas von „boah wie anstrengend!“ in Richtung „Oh herrje ich schmelze.“ gerückt und sich irgendwo dazwischen eingependelt. Das tut gut.

Frau Klein habe ich – angetan von diesem Blickwechsel – heute Abend etwas mehr unter die Lupe genommen. Sie ist einfach sehr lustig und kichert gern. Sie malt endlos und verschenkt gern ihre Bilder. Ihre Freundin wird morgen früh ein Bild von ihr vor ihrer Tür finden. Sie erzählliest unfassbar gern Bücher – dabei sitzt sie mit Bilderbüchern auf dem Sofa und erzählt die Geschichten so, wie sie ihr zu den Bildern einfallen kombiniert mit dem, was sie weiß über die Bücher. Das ist manchmal so unfassbar lustig aber auf jeden Fall sehr plüschig. Es zeugt von ihrer unbändigen Kreativität und macht mich immer wieder sehr neugierig darauf was aus ihr mal für ein Mensch wird.

Und Herr Klein ist momentan sowieso sehr entspannt und selig. Er hat gerade wieder einen großen Schuss nach oben gemacht. Er entwickelt mehr und mehr einen sehr coolen Sinn für Humor und versteht endlich meine Ironie, was uns sehr viel Spaß macht. Wir lachen gerade recht viel und ich genieße das. Er wirkt sehr in sich ruhend und macht einfach sein Ding. Das finde ich sehr inspirierend und beglückt mich.

Gestern noch im Zwiegespräch redeten der Liepste und ich davon wie mühsam es gerade ist mit allen dreien. Und heute finde ich das gar nicht mehr so. Mal sehen wie es morgen ist, aber ich habe wieder ein paar neue Entdeckungen gemacht bei meinen Kindern und kann sie durch ein Paar andere Augen sehen. Das tut sehr sehr gut und gibt mir Energie und Kraft für einen neuen Tag morgen.

Also los – findet ein paar Dinge an Euren Kindern, die Euch bezaubern und Ihr werdet sehen, es erlöst Euch ein wenig von der Anstrengung. Denn irgendwo ist die ja auch etwas, an dem wir uns gedanklich festbeißen können. 

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Eltern sind doof

Auf unserer kleinen Radtour machten wir abends nach dem Abendessen noch einen Spaziergang zum Spielplatz. Daneben gab es nämlich einen Gastgarten mit Blick auf den Zicksee und seine legendären Sonnenuntergänge dort. Die Vorstellung war harmonisch und entspannend.

Aber die Kinder fanden das blöd. Sie blieben kurz am Spielplatz, dann kamen sie zu uns. Wir hatten uns zwei Bier bestellt und wollten genießen. Die Kinder wollten spielen und uns dabei haben. Wir konnten sie am Spielplatz sehen, aber das war ihnen nicht genug. Wir sollten daneben stehen. So, wie wir schon den ganzen Tag bei ihnen und mit ihnen waren. Wir waren genau davon müde. Müde vom Kinder tragen, Kinder anschaukeln, Kinder versorgen, Windeln wechseln und Streitigkeiten aushalten. Wir wollten sitzen. Einfach sitzen.

„Eltern sind doof!“ rief Frau Klein. Und Herr Klein stimmte ihr zu. Und wenn sich beide einig sind, dann stimmt auch Miniklein zu, auch wenn er nicht weiß, worum es geht.

„Ja“, sagte ich. „Eltern sind manchmal doof.“

Es ist natürlich nicht schön diesen Satz zu hören. Aber es ist genau einer dieser Sätze, die man aushalten muss. Und es ist vermutlich erst der seichte Anfang von dem, was da ab Pubertätsalter noch auf uns zukommt. Und letztendlich ist es eine gute Lehre darin ein Stück perfektes Elterndasein abzulegen.

Denn wir Eltern müssen manchmal doof sein. Wir müssen manchmal einfach auf uns schauen und unsere Bedürfnisse beachten. Weil wir sonst richtig doofe Eltern werden, die sich ganz verausgabt haben und am Boden liegen.

Und wir müssen aufhören uns Sorgen zu machen, ob unsere Kinder uns denn auch lieb haben und mögen. Denn das tun sie. Das ist in ihnen ganz tief angelegt. Und darauf sollten wir viel öfter vertrauen. So, wie wir unsere Kinder endlos lieben, auch wenn sie uns in den Wahnsinn treiben und unsere Grenzen ausloten wie ein ausgeleiertes Gummiband, so lieben sie uns, auch wenn wir mal doof sind. Oder böse. Oder blöd.

Natürlich können wir als Eltern unfassbar viel falsch machen und wir können auch unsere Kinder so richtig ruinieren. Aber dafür braucht es mehr, als mal zu sagen: „Nein, ich mag jetzt nicht.“ Wir glauben, dass mit all dem Reden über Bindung und Beziehung es immer nur darum geht die Kinder in jedem Moment gut und richtig zu begleiten und zu unterstützen und ihnen alle Liebe zu geben, damit sie gut gesättigt sind. Prinzipiell stimmt das ja. Aber ich glaube wir können ihnen da auch viel zu viel geben. Wenn es nämlich so weit geht, dass wir uns dabei unterwegs selbst verlieren.

 

Wir dürfen uns davon verabschieden immer perfekt und richtig zu sein. Und die besten Eltern der Welt sein zu müssen. Wir sind das sowieso. Für unsere Kinder und unsere Familie. Aber nicht, weil wir alles richtig und den Kinderwünschen entsprechend machen, sondern weil wir wir selbst sind. Authentisch. Echt. Menschlich. Und manchmal doof.

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