Erkenntnisse der Woche – Ich bin genug bin Ich

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Wenn ich sehe, wie andere Mütter ihre 3 oder mehr Kinder nachmittags noch für Unternehmungen motivieren, während ich mit 2 Kindern nach nem heimgeschleppten Einkauf schon platt bin, habe ich das Gefühl, nicht genug zu tun.

Wenn andere Eltern ihren Kindern täglich frische Gerichte kochen, während ich schnell etwas bereite, was auch nicht immer gesund ist, fühle ich mich nicht gut genug.

Wenn ich meine Kinder impfen lasse ohne bei 4 Impfberatungen gewesen zu sein, fühle ich mich ungenügend.

Wenn ich am Nachmittag lieber stricke, statt Lego zu bauen, fühle ich mich manchmal nicht genug.

Wenn ich am Samstagmorgen 1h auf dem Sofa döse und die Kinder in Schlafanzug und Nachtwindel spielen, fühle ich mich rabenmütterisch.

Wenn ich heimlich ein Müsli auf der Arbeitsfläche in der Küche sitzend löffle, damit ich nicht teilen, nichts abgeben muss, fühle ich mich… nicht sonderlich genug.

Und viel zu oft habe ich das Gefühl, nicht genug, nicht gut genug zu sein.

Und dann schaue ich sie an, beobachte, wie sie spielen, während ich stricke. Zufrieden. Lachend.
Ich freue mich, wenn sie die Smoothies, die ich hier und da zubereite, genüßlich verzehren.
Ich halte sie, wenn sie untröstlich sind, gestürzt sind, die Lippe aufgeschlagen ist. Ich gehe aus dem Raum, wenn sie wütend sind, weil ich da bin, und nicht der Bruder. Akzeptiere, ohne persönlich zu nehmen.
Ich kugel mit ihnen nach dem Wickeln durchs Zimmer und kichere. Ich beobachte zurückhaltend jeden Entwicklungsschritt. Freue mich mit ihnen über erreichte Ziele.
Ich bin klar in (fast) jedem Nein, aber auch in (fast) jedem Ja, das ich betone.
Ich ziehe mich zurück und suche meine Freiräume. Nur um Aufzutanken und geduldiger, aufmerksamer und achtsamer zurückzukehren. Ich esse eine kleine Mahlzeit ganz für mich, um Energie zu tanken.

Es ist nicht leicht in einer Welt unterschiedlichster Mütterbilder gut genug zu sein. Wo jeder Ratgeber sagt, was gut und weise fürs Kind ist. Was unbedingt zu tun ist. Was nicht verpasst werden darf. Wo die Bedürfnisse der Mütter Buchstabe für Buchstabe aus dem Buch gefallen sind.
Es ist besonders als (hoch)sensible Person leicht, sich ungenügend zu empfinden, weil man bremst, wo andere noch lange weitermachen. Weil man die eigenen Grenzen als unflexibel betrachtet. Bis man lernt, dass sie angenommen gehören. Egal, wie straff sie um uns liegen. Dass ein Überschreiten nicht besser, nicht genügender, sondern am Ende noch weniger ausreichend für alle ist, als ein Stop zur rechten Zeit.

Wir sind genug, wenn wir uns gut achten, auf uns acht geben. Wenn wir unseren Kindern zufrieden begegnen und somit aus einem Korb voll Achtsamkeit, Verständnis und Empathie schöpfen können.
Wir sind genug, wenn wir 50% der Zeit voll da sind, statt 100% nur halb.

Was die Frau auf dem Spielplatz, im Supermarkt, auf Twitter macht und schafft, ist gut für sie. Aber es bestimmt nicht mich.

Manchmal vergesse ich das. Und dann bin ich froh, mich zu erinnern, dass ich genug bin. Gut genug.

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34 thoughts on “Erkenntnisse der Woche – Ich bin genug bin Ich

  1. Das tut so gut zu lesen!!!
    Danke. Ich gehe da voll mit Dir mit.
    Wir sind gut, wenn wir echt sind.
    Viele Dinge was andere machen finde ich toll, aber das wäre nicht ich.
    Manchmal hab ich gar keine Kraft auf “noch mehr”.
    Wir dürfen nur nicht vergessen, dass wir so genau richtig sind. Danke für’s erinnern.
    Hoffe Du bist jetzt auch wieder etwas besser drauf. Morgen einen schönen Herzgeburtstag!

  2. Wenn ich überlege, wie oft meine Mutter uns drei Kindern “Entertainment” geliefert hat…nie!

    Sie hatte großes Haus, Garten, Haushalt, Job, Ehrenämter, usw. und wir die Freiheit, das zu tun, was WIR wollten. Spielen, malen, lesen, Rad fahren, Baumhäuser bauen, in Bäche mit Entengrütze fallen (und stinkend und triefend heim schlurfen), im Sommer mittags den Ranzen in die Ecke werfen und abends zum 18 Uhr Glockengeläut wieder nach Hause kommen. Sonntage im Schlafanzug verbringen, Ferien abgammeln. Herrlich!
    Und ich bin froh, dass meine Kinder diesen meinen Background spüren und kein wöchentliches oder gar tägliches Entertainment erwarten.

    Danke für Deinen Text!

    LG, sewbeedoo

  3. Du sprichst mir aus der Seele! Ich habe mich zuletzt auf meinem Lieblingsgören-Blog mit dem Thema “Teilzeit – Ein Leben in Stückchen” beschäftigt und bin dabei zu ganz ähnlichen Erkenntnissen gelangt. Danke für den tollen Beitrag!

  4. Vielen Dank für diese Worte!
    Ich fühle mich auch sehr oft so. Wenn ich vormittags lieber ein Buch lese oder einfach ein Kaffee (allein) trinke und dann wenn die Kinder da sind, erst dann anfange was zu kochen – da fühle ich mich nicht genug…Es gibt zu oft diese miese Empfindungen im Hindergrund meines Herzens. Ich versuche zu überspringen, nicht immer gelingt es mir. Aber mein Grundgedanke ist “alles was gut für mich ist, ist gut für meine Kinder”. Ich brauche diese kleine Auszeiten, es geht nicht ohne. Und vergleichen ist die schlechteste Optionen überhaupt. Das tue ich nicht gern. Ich bin ich :-) nochmals danke

  5. Danke, ganz vielen lieben Dank für diesen tollen Artikel.
    Gerade heute habe ich genau so etwas gebraucht. Und nun sitze ich hier und mir laufen ein paar Tränen und ich hoffe, ich kann deine Worte verinnerlichen.
    Danke!

  6. Toller Beitrag. Gerade mit zwei Kinder kann man noch weniger gut genug sein. Es führt aber nicht nur ein Weg ans Ziel. Es gibt zu Glück viele Wege- mal mit Umweg und ein anderes Mal mit Abkürzung. Lg

  7. <3
    JA!

    Und ganz sicher hören genau hier auch die "Mommy-wars" auf, wenn wir aufhören nach links und rechts zu schielen und uns ungenügend vorkommen – und einfach auf uns selber, unsere Familie, und die Bedürfnisse der Mitglieder unserer Familie achten statt darauf, was andere (vermeintlich) leisten.

  8. Sei einfach froh, daß Du Du in Deinen Gedanken Platz dafür hast. Jede alleinerziehende Single-Mama wäre glücklich, sich über solche Sachen überhaupt Gedanken machen zu dürfen.

  9. Pingback: Hallo November

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